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Software-Kritik: Scrivener

Ich teste gerne Software, auch wenn ich regelmäßig im Voraus schon weiß, dass ich die Software im Grunde gar nicht benötige. Auch bei Scrivener war mir das bewusst, trotzdem habe ich die Testversion installiert und werde heute meine Eindrücke mit euch teilen.

Hier mein erster Eindruck nach dem Start:

Scrivener Startbildschirm

Zugegeben, ich war erstmal etwas überfordert. Wofür soll das gut sein? Nach dem ich die ersten Kapitel des Tutorials durchgearbeitet hatte, wurde mir einiges klarer. Scrivener ist sozusagen alles, was man als Autor braucht. Sowohl Textverarbeitung als auch Wiki als auch Notizzettel und Ablage von Recherchematerial. Man kann es nutzen zur Herstellung von Plots und Geschichtssträngen als auch für das eigentliche Manuskript. Es ist ein sehr vielseitiges Tool. Aber die Vielseitigkeit wird meines Erachtens auch zu seinem Problem.

Fangen wir vorne an. Der Grundaufbau von Scrivener ist der eines Wiki. Jedes Projekt ist eine Art Ordner, in dem alles gesammelt wird. Die linke Leiste wird Binder genannt und ist sowas wie das Inhaltsverzeichnis dieses Ordners.

Es dient sowohl zum Navigieren als auch zum Erstellen der eigentlichen Struktur. Das Testprojekt, das man hier sehen kann, ist aufgeteilt in Draft (=Entwurf), Research (=Recherche) und Trash (=gelöschte Inhalte). Dazwischen hat der Autor eigene Kapitel eingefügt (Part 1, Part 2, usw.). Man könnte hier seine ganz eigene Aufteilung vornehmen, wenn man ein Buch schreibt: nach Kapiteln, Anfang-Mittelteil-Schluss, usw. Die Teile selber kann man dann auch nochmal in unterteilen, in Szenen oder Unterkapitel, usw. Das wirklich tolle daran ist, dass man bei Scrivener diese einzelnen Kapitel und Teile in der Ansicht so darstellen lassen kann, dass sie wie ein Kapitel aus einem Guß erscheinen. Trotzdem sind sie innerhalb der Software getrennt. Man kann auch Kopien von jedem Text herstellen, ehe man ihn verändert. Damit hat man den Ausgangszustand noch irgendwo in der Hinterhand, und wenn man dann doch wieder zurückändern möchte, geht das mit einem Knopfdruck.

Auch sehr schön ist, dass Scrivener aus jedem Unterkapitel gleich eine Karteikarte erstellt, die man in der Pinnwand-Ansicht schön geordnet ansehen kann.

Scrivener Pinnwand-Ansicht

Die Karteikarten werden entweder automatisch mit den ersten Sätzen des Textes befüllt, oder aber man trägt diese im Inspector selber ein.

Zu guter Letzt bietet Scrivener auch noch die Möglichkeit, dass man dieses Projekt in ein Normseiten-Manuskript umwandelt. Man kann auch ganz gezielt nur bestimmte Teile in das Manuskript exportieren, sodass wirklich nur das dort landet, was man tatsächlich beim Verlag abliefern möchte.

Was nutzt einem aber nun so eine Software wie Scrivener? Wie gesagt, es ist die eierlegende Wollmilchsau. Man legt seine Charakterskizzen ab, ebenso wie den groben Ablauf der Geschichte, man legt Bilder, Diagramme und sonstiges Recherchematerial ab (PDF-Dateien, Bilder und Videos können direkt in Scrivener abgespielt werden), ohne dass man sich merken müsste, wo man das Zeug denn nun untergebracht hat. Zwischen dem eigentlichen Manuskript kann man Notizen einbauen, die je nach gewählter Ansicht (Dokumentenansicht, Scrivening = alle Dokumente eines Kapitels untereinander, Pinnwand und Outliner) in den Text miteinfließen oder gesondert betrachtet werden können. Man hat die Möglichkeit, Querverweise herzustellen, zu verschieben, und noch vieles mehr zu tun. Und wenn man am Schluss fertig ist mit seinem Projekt, drückt man auf den Exportbutton, klammert alle Inhalte aus, die man nicht im Manuskript haben möchte und voilà, fertig zur Abgabe.

Das ist sowohl Vorteil als auch Nachteil zugleich. Denn Scrivener hat sehr viele Funktionen, die man auch erstmal erlernen muss. Wer hat die Zeit und Muse, das zu tun? Natürlich, jede Software kann hilfreich sein. Aber hat jeder auch die Zeit und Lust, sich in diese Software einzuarbeiten? Dann stellt sich auch die Frage, wie Scrivener mir dabei helfen kann, meinen Roman fertig zu schreiben bzw. produktiver zu sein. Fakt ist, dass keine Software etwas nützt, wenn man nicht schreibt und nicht an seinem Projekt weitermacht. Da ist auch Scrivener keine Ausnahme. Aber in Sachen Produktivität kann Scrivener einem helfen, die Dinge an einem Ort zu hinterlegen, sodass man nicht später suchen muss, wo man diese oder jene Information abgelegt hat. Man hat alles zur Hand, kann es direkt einsehen, während man schreibt (den Scrivener-Bildschirm kann horizontal bzw. vertikal aufteilen, wenn nötig, um zwei Dokumente gleichzeitig anzusehen). Das würde ich als den größten Nutzen betrachten.

Einem ähnlichen Ansatz folgt übrigens auch die OpenSource-Software Zim. Sie ist aber nicht extra für Autoren gedacht, sodass auch einige nützliche Funktionen fehlen, die dafür in Scrivener vorhanden sind. Aber das Prinzip ist dasselbe: Ein Ort, an dem alles abgelegt wird, getrennt in einzelne Dokumente, die man zur Not auch zusammenführen kann. (Bei Zim nicht so schön wie in Scrivener.)

Fazit: Scrivener gleicht einem Wiki mit eingebauter Textverarbeitung. Die Software bietet alles, was man als Autor/Schriftsteller braucht. Sie eignet sich ebenso gut zur Erstellung von Notizen, Handlungssträngen als auch für die Ablage von Recherchematerial und der Erstellung des eigentlichen Skripts. Aber wie jede Software auch steigert sie die Produktivität des Anwenders nur, wenn der a) regelmäßig schreibt und sein Schreibprojekt vorantreibt und b) sich mit den vielen Funktionen der Software vertraut macht.

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Tipp: Spracheinstellung in LibreOffice/OpenOffice

Zur Zeit arbeite ich an einigen alten Romanideen, die ich von meinem alten Laptop heruntergezogen habe. Dabei schaltete die Spracheinstellung in einer Datei immer wieder von Deutsch auf Russisch, obwohl ich mir nicht erklären konnte, wo die Einstellung her kommt. Unter „Extras -> Optionen -> Spracheinstellungen“ war Deutsch (Deutschland) eingestellt. Auch das nochmalige Einstellen und wieder Speichern brachte nichts.

Jetzt habe ich herausgefunden, dass man auch unter „Format -> Zeichen -> Schrift“ die Sprache einstellen kann. Wie das passiert ist, weiß ich nicht, aber dort war tatsächlich Russisch eingestellt. Alles markieren, die Sprache ändern und „OK“ drücken brachte dann die gewünschte Änderung. Hat ein bisschen gedauert, bis ich das herausgefunden habe, daher lege ich das hier im Blog ab, falls nochmal jemand über dieses Problem stolpert. 🙂

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Braucht man zum Schreiben Spezialsoftware?

Im Zuge meiner letzten Software-Rezensionen und -Entdeckungen musste ich mir selber die Frage stellen, wie viel Software ein Autor/Schriftsteller eigentlich braucht. Was muss sein, was ist nett, aber nicht unbedingt erforderlich, was ist überflüssig?

Ganz klar ist, dass es da kein allgemeingültiges Maß gibt. Was der eine unbedingt braucht, findet der andere total unnütz. Und je mehr ich mich in das Thema einarbeite, umso mehr stelle ich fest, dass mich die vielen bunten Knöpfchen und Funktionen, Auswahl- und Eingabefelder verwirren. Beispiel Storybook: Die Tatsache, dass ich die Funktion „Teile“ in ihrer Sinnhaftigkeit und Funktion nicht verstand (und immer noch nicht verstehe), führte dazu, dass ich mich fast nicht traute, eine Szene anzulegen, weil ich das entsprechende Feld, das mir die Maske vorgab, nicht zu füllen vermochte.

Es ist auch verflixt, wenn man sich von starren Vorgaben dazu verleiten lässt, alles penibel und kleinlich auszufüllen, als ob man ein Formular für eine Behörde oder ein Amt ausfüllt. Und da stelle ich fest, dass die eigentliche Idee, die Geschichte plötzlich vollkommen in den Hintergrund tritt, weil man mit den technischen Begebenheit „kämpft“. Natürlich soll es so nicht sein. Ich denke nicht, dass die Entwickler des Programms das so im Hinterkopf hatten. Wahrscheinlich denken die sich auch: „Wenn du mit einem Feld nichts anfangen kannst, dann lässt du es halt leer.“ So sollte es vermutlich sein. Aber in dem Moment, in dem ich anfange, über die Notwendigkeit eines Feldinhaltes zu sinnieren, beschäftige ich mich nicht mehr mit meinem eigentlichen Vorhaben: eine Geschichte oder einen Roman zu schreiben.

Wenn ich ehrlich bin, dann bin ich über solche Entdeckungen wie Q10 oder JDarkRoom erleichtert. Da kommt man ohne Schnörkel und Schleifchen aus, es geht nur um das eine: die Geschichte. Die nötigsten Funktionen erlernt man in unter fünf Minuten, und dann geht es los. Man schreibt drauf los und schreibt und schreibt. Ohne auf das Äußere acht zu geben. Darum geht es auch gar nicht. Es geht nur um die Idee, die Handlung, die man verfolgt und weiterzuspinnen versucht. Das ist ein verdammt gutes Gefühl, wenn man einfach nur tippt und tippt und sieht, wie das eigene Werk wächst und sich weiterentwickelt.

Natürlich kann man diese Erfahrung auch mit Word oder OpenOffice.org oder Papyrus oder sonst einem anderen Textverarbeitungsprogramm machen. Man ignoriert einfach alle Schaltflächen, unterlässt es, Kopf- und Fußzeilen zu erstellen oder hier mal Fettschrift, da mal Kursivschrift einzufügen. Man lässt auch alle anderen Funktionen links liegen, z.B. die Rechtschreibprüfung oder Datenbanken, die mit dem Dokument verknüpft werden können. Man lässt es einfach sein und arbeitet an seiner Geschichte, lässt sich nicht ablenken und tut, was man tun muss, um damit fertig zu werden.

Und während ich das so schreibe, muss ich mir selber eingestehen, dass ich es in Word oder OpenOffice.org nicht schaffe, eben genau das sein zu lassen. Ich lasse mir falsch geschriebene Wörter mit einer roten Wellenlinie markieren, damit ich sofort verbessern kann, wenn ich mich vertippt habe. Oder ich füge Kommentare ein, die dann als kleine Post-It-Blasen am Rand erscheinen. So ist das doch gut erkennbar. Oder ich unterlege Absätze reihenweise in gelber Farbe, damit ich sie mir beim nächsten Mal nochmal durchlese und redigiere.

Fluch der Technik oder einfach nur Perfektionismus des Anwenders? Und kann eine Software da überhaupt Abhilfe schaffen?

Wie viel Software braucht man wirklich?

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Software-Kritik: Q10

Nochmal eine Software-Rezension. 😉

Über Q10 bin ich auf der Suche nach Software speziell für Schriftsteller und Autoren gestolpert. Q10 ist eigentlich nichts besonderes. Ich würde sogar sagen, dass vermutlich viele die Nase rümpfen und sich fragen werden, wer Q10 eigentlich braucht. Da wir heutzutage alle Notepad oder andere Texteditoren standardmäßig auf unseren Computern vorinstalliert haben, erscheint Q10 anfangs wirklich als überflüssig. Ich wenigstens hatte beim ersten Anblick das Gefühl, ordentlich veräppelt zu werden.

Beim Start bot sich mir nämlich folgender Bildschirm (nicht ganz, weil ich mittlerweile die Farben geändert habe, aber dazu gleich mehr):

Q10 Startbildschirm
Q10 Startbildschirm

Kein Scherz. Eure Augen lassen euch nicht im Stich. Das war es, was ich zu sehen bekam. Nichts. Als ich dann zu Tippen begann (damals noch mit heller Schrift auf schwarzem Hintergrund), war mir klar, dass es sich um einen ganz einfachen Texteditor handelte. Über F1 gelangt man in das Menü und wenn man das mal sieht, wird einem auch klar, dass Q10 ein Programm ist, dass nur mithilfe der Tastatur bedient wird.

Durch F1 gelangt man ins Menü.
Durch F1 gelangt man ins Menü.

Das hat natürlich seine Vor- und Nachteile. Der Programmierer schreibt auf seiner Homepage:

Full-screen. Focus on your work. Even if Mark Pilgrim doesn’t like full-screen editors, some of us do.

Ich als alter Hase in Sachen Computer habe ja mal wirklich mit Word-Versionen angefangen, die es nur in Full-screen gab, und auch nur mit Tasten kontrolliert werden konnten. Grafische Oberflächen gab es nicht, oder mussten sehr umständlich innerhalb von DOS gestartet werden. Ich kann also ganz gut verstehen, was Joaquín Bernal mit dem Programm verfolgt. Es ist so simpel wie möglich aufgebaut, kein Schnickschnack und Trallala, das einen von der eigentlichen Arbeit abhält. Und doch bietet es einige komfortable Funktionen, wie z.B. Echtzeit-Statistik (während man tippt, sieht man unten links, wie viel Wörter, Zeichen und Seiten man schon getippt hat – wobei man die Anzahl der Zeichen pro Seite selber einstellen kann. Ebenso kann man durch das Voranstellen von zwei Punkten (..) Notizen einfügen und diese dann ebenfalls gesondert ausgeben lassen. Man kann die verwendete Schrift, Schriftgröße und die Schriftfarbe einstellen. Es gibt die Möglichkeit, einen Zielwert (z.B. festgelegte Anzahl an Wörtern, Zeichen, usw., die man in einer Sitzung erreichen möchte) einzugeben, ebenso kann man einen Timer aktivieren, der nach abgelaufener Zeit Alarm schlägt.

Als einziges Dateiformat stehen Textdateien zu Verfügung. Der Vorteil dieses Vorgehens ist, dass man den Text in wirklich jedem Textverarbeitungsprogramm öffnen kann. Wenn man also irgendwann fertig ist mit seiner Arbeit und die Abgabe vorbereitet, kann man dies nochmal im Programm seiner Wahl tun. Da Verlage heutzutage immer noch die Normseiten erwarten, empfinde ich diese Lösung aber gar nicht schlecht. Mit Q10 kann man die Breite der Anzeige in Pixel, Zentimeter oder Zoll einstellen.

Obwohl es das Programm auch in deutscher Bedienerführung gibt, ist die Rechtschreibüberprüfung leider deaktiviert, weil die entsprechenden Korrekturdateien fehlen. Schade.

Ansonsten bekommt das Programm von mir eine 1-2, weil es so einfach, klein und handlich ist, auch portabel auf einem USB-Stick mitgeführt werden kann und wenig Platz einnimmt. Laut dem Programmierer gibt es nur eine Windows-Version; Versionen für Linux oder MacOS seien auch gar nicht geplant. Dank Wine läuft es aber auch jetzt schon stabil auf meinem Linux-Rechner. 😉

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Software-Kritik: Storybook

Ich hatte schon vor etlicher Zeit die Software Writer’s Lounge unter die Lupe genommen. Leider musste ich vor kurzem feststellen, dass es diese Software nicht mehr gibt. Jetzt, da ich einen neuen Computer habe, wollte ich das gute Stück nochmal nutzen, um an einer Idee zu arbeiten und da wäre mir der relativ einfache und klare Aufbau von Writer’s Lounge sehr gelegen gekommen.

Daher habe ich mich nach Software-Alternativen umgeschaut. Es gibt Vieles auf dem Markt, das Wenigste aber ist Plattform übergreifend (also für mehrere Betriebssysteme) konzipiert. Die meisten Angebote gibt es für MacOS, dann für Windows. Nur ganz wenige Software kann man auch unter Linux laufen lassen. Daher war ich ganz überrascht, dass es mit Storybook ein mir bisher unbekanntes Projekt gibt, das diese Lücke zu füllen versucht.

Ähnlich wie Writer’s Lounge auch eignet sich Storybook nur zur Plotgenerierung. Man kann darin nicht die komplette Geschichte schreiben, auch wenn mir die Möglichkeiten in Storybook doch deutlich größer erscheinen als damals in Writer’s Lounge. Aber fangen wir vorne an.

Zunächst einmal benötigt man Java 6, um Storybook zum Laufen zu bringen. Das ist übrigens für alle Betriebssysteme gleich. Leider hat Storybook (zumindest unter Linux) die schlechte Angewohnheit, sich ein eigenes /opt-Unterverzeichnis zu erstellen, und das im eigenen Home-Verzeichnis. Unter *nix-Systemen gibt es klare Vorgaben, wo welche Dateien abgelegt werden. Insofern knirschten mir bei der Entdeckung, dass Storybook offensichtlich diese Vorgaben ignorierte und diesbezüglich auch nicht einstellbar war, ordentlich die Zähne. Ich habe Storybook zwar mittlerweile verschoben, aber bekomme beim Start die Fehlermeldung, dass das /opt-Verzeichnis fehlt (*kopfschüttel*).

Aber genug des technischen Jammerns. Wenn man das Programm installiert hat, bekommt man beim Start folgendes Bild geboten (wenn man auf die Bilder klickt, werden sie vergrößert):

Startbildschirm
Storybook Startbildschirm

Bei mir war beim ersten Start Englisch als Menüsprache eingestellt. Unter File -> Preferences lässt sich das ändern, das Programm stellt sofort auf Deutsch um, wenn man „Apply“ oder „OK“ klickt. Danach muss man ein neues Projekt anlegen. Das sieht dann folgendermaßen aus:

Projekt anlegen
Projekt anlegen

Gott sei Dank erlaubt das Programm dann, dass man wenigstens den Speicherplatz für die Projektdatei selber auswählen darf. Und wenn man dies dann bestätigt hat, erscheint die chronologische Ansicht:

Chronologische Ansicht
Chronologische Ansicht

Hier lassen sich nun Figuren und Schauplätze einrichten. Man kann die Figuren aufteilen in Haupt- und Nebenfiguren, zu den Schauplätzen kann man genaue Adressen eingeben (und sogar GoogleMaps zu Rate ziehen). Desweiteren gibt es die Möglichkeit, verschiedene Geschichtsstränge einzurichten. Ebenso gibt es eine Kapitelaufteilung sowie die weitere Möglichkeit, „Teile“ anzulegen. Was genau mit „Teile“ gemeint ist, dahinter bin ich noch nicht gekommen. Es ist nicht die Szenenreihenfolge damit gemeint, denn die kann man gesondert eingeben, wenn man eine Szene einfügt. Leider haben mir die Hilfeseiten auf der Homepage von Storybook dabei nicht weitergeholfen.

Beim Anlegen von Szenen kann man diese verschiedenen Strängen zuordnen. Bei der Eingabe der Szenen bestimmt man auch, was quasi gleichzeitig, was zuerst und später passiert. So erhält man einen guten Überblick über den Verlauf der Geschichte. Ganz nett ist auch, dass es Diagramme gibt, die bildlich darstellen, wie häufig z.B. eine Person im gesamten Stück auftritt, wo die Geschichte sich die meiste Zeit abspielt, wer wann wo ist, usw.

Szenen werden Strängen zugeordnet
Szenen werden Strängen zugeordnet

Exportieren kann man diese Vorarbeit dann in verschiedene Formate: als Textdatei, PDF, HTML, CSV, RTF und ODP. Dies erleichtert die Arbeit ungemein, weil man damit die Vorarbeit direkt weiterverwenden kann. Dies hat mir bei Writer’s Lounge etwas gefehlt, weshalb mir diese Funktion bei Storybook doch sehr zusagt. Leider muss ich aber anmerken, dass Storybook wieder selber entscheidet, wo es diese Dateiexporte ablegt. Bei mir wurde (wiederum ohne Fragen) in Home ein Unterverzeichnis /storybook erstellt, in dem nochmal ein Unterverzeichnis mit dem Projektnamen liegt, und dort war dann die exportierte PDF-Datei. Keine Ahnung, ob Windows-User das weniger eng sehen als ich, aber ich finde Programme, die mal eben ungefragt Dateien irgendwo hinterlegen, wo sie (oder vielmehr der Programmierer) es für sinnvoll halten, furchtbar bevormundend und unflexibel.

Fazit: Storybook eignet sich zum Erstellen eines groben Aufbaus bzw. Plots einer Geschichte. Es gibt sogar einige Funktionen (wie z.B. das Anlegen von „Teilen“), die vielleicht unnötig sind (vielleicht für Kurzgeschichten, dann braucht man die Kapitel aber wiederum nicht). Man kann die fertige Arbeit dann in verschiedene Formate exportieren, um das bereits Verfasste weiterzuverwenden. Insgesamt empfand ich die Anwendung weniger intuitiv als bei Writer’s Lounge, aber da es diese Software nicht mehr gibt, muss ich mich mit dem Vorhandenen zufrieden geben. Einzig die Tatsache, dass das Programm selber bestimmt, wo es installiert wird und wo es Exportdateien ablegt, hinterlässt einen wirklich negativen Eindruck.

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One Page per Day

Wer Autor werden will, sollte regelmäßig schreiben.

Ich tue mich ungemein schwer mit dem Schreiben, wenn es nicht regelmäßig geschieht und ich keine Routine entwickle. Dann klingen meine Sätze hölzern und gestelzt, die Geschichten so, als ob sie von einem Erstklässler erzählt werden. Manchmal fallen mir die einfachsten Wörter nicht ein, um Dinge zu umschreiben. Solche Situationen frustrieren ungemein, dann möchte ich meinen Laptop einfach in die Ecke pfeffern. Und mein innerer Kritiker bekommt das nötige Kanonenfutter, um das Bisschen Selbstvertrauen, das ich mir mühsam erarbeitet habe, mit einem einzigen Knall niederzuschmettern.

Wenn ich aber regelmäßig schreibe, dann merke ich manchmal schon nach wenigen Tagen, dass die Sätze viel besser flutschen, dass ich die Gedanken viel zügiger und flüssiger auf das virtuelle Papier bringe. Zwar klinge ich noch lange nicht wie Thomas Mann oder Günther Grass, aber aus dem Erstklässler wird nach kürzester Zeit zumindest mal ein Oberstufenschüler. 😉

One Page per Day ist ein Hilfsmittel, das mir in Zukunft dabei helfen könnte, den Erstklässler in mir zum Aufstieg zu verhelfen. Eine leere Seite pro Tag, die man füllen muss. Und gut ist. Am nächsten Tag wird man daran erinnert, das Vorhaben nicht zu vergessen.

Der Aufbau ist simpel. Nach der Anmeldung mit Twitter- oder Google-Account öffnet sich eine Bildschirm-Schreibenmaschinenseite. Gespeichert wird automatisch, man kann zwischendurch auch selber speichern. Wer mag, kann sein tägliches Werk mit anderen teilen – muss es aber nicht. Es gibt auch die Möglichkeit, sich eine weitere leere Seite anzeigen zu lassen.

Eigentlich eine gute Idee. Ich probier’s mal. 🙂

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Software-Kritik: Writer’s Lounge

HINWEIS VOM 15.04.2011: Leider musste ich heute feststellen, dass die Software nicht mehr von der Seite des Betreibers heruntergeladen werden kann. Ich habe zwar mal angefragt, warum das so ist, habe aber noch keine Antwort erhalten. Falls jemand noch Interesse an Writer’s Lounge hat, dann kann er über Google verschiedene Downloadquellen ausmachen (ZDNET, Heise, usw.).


An dieser Stelle möchte ich mal die Gelegenheit ergreifen, Writer’s Lounge vorzustellen. In den meisten Listen mit Software für Autoren taucht diese Software nicht auf. Darauf aufmerksam geworden bin ich im internen Forum der Schule des Schreibens. Der Autor der Software ist Andreas Altwein, seines Zeichens Softwareprogrammierer und Autor.

Ich habe die Software bereits vor einiger Zeit ausprobiert, kurz nachdem ich mit dem Lehrgang bei SdS angefangen habe. Zunächst schien ich dafür keine Verwendung zu haben. Während des diesjährigen NaNoWriMo ist mir dann aber klar geworden, dass ich im Grunde genau so eine kleine Software benötigen könnte, um meine Romanideen vorneweg zu planen. Also habe ich die Software nochmal reaktiviert und mir genauer angesehen.

Zunächst einmal taugt das Programm rein zur Planung des Verlaufs einer Geschichte. Es gibt die Möglichkeit, Personen anzulegen, deren Lebenslauf, Verhalten, Aussehen zu notieren. Dasselbe kann man auch mit Orten tun, an denen die Geschichte stattfindet. Schließlich fängt man an, den Plot zu erstellen, den man Szene um Szene aufbaut, mit Personen und Orten und Handlungen füllt. Als kleine Dreingabe kann man Notizen mit Erinnerungsfunktion eingeben. Das ganze läuft projektbezogen ab, d.h. man muss für jede Geschichte ein neues Projekt starten, in dem dann die erstellten Charaktere und Orte verfügbar sind; außerhalb des Projektes stehen sie nicht zur Verfügung.

Hier ein Screenshot des Startbildschirms:

Writer's Lounge Startbildschirm

Vorteile
Ich persönlich finde das Programm einfach zu handhaben, der Aufbau des Programms wird gleich beim ersten Öffnen sichtbar: Man erstellt ein Projekt, und kann dann getrennte Datensätze anlegen für die in der Geschichte vorkommenden Personen und Orte. Wie genau der Plot strukturiert wird, d.h. also in Kapitel und Szenen, wird in der Hilfedatei ganz gut beschrieben. Man kann diesen Teil auch ganz flexibel einsetzen. Wer nicht Kapitel um Kapitel aufbauen möchte, kann auch die drei Strukturen „Anfang“, „Mittelteil“ und „Schluss“ erstellen (siehe Screenshot unten), und dann die einzelnen Szenen darunter einsetzen, z.B. bei der Planung einer Kurzgeschichte.

Writer's Lounge Plot

Man kann Szenen auch nach unten oder oben verschieben, wenn sie an der Stelle nicht passen.

Anschließend lässt sich das Ergebnis der Planung als HTML- oder PDF-Datei exportieren.

Plot als HTML-Export
Plot als PDF-Export

Auch positiv anzumerken ist, dass das Programm sowohl auf Windows, Linux als auch Mac läuft, da es in Java programmiert wurde. Außerdem verwendet es eine Datenbank, d.h. dass die gesamte Arbeit nicht irgendwo auf dem Rechner rumliegt, sondern zentral in einer Datenbank. Man muss sich also auch nach Monaten keine Gedanken machen, wo man jetzt eigentlich die Idee für eine bestimmte Geschichte hingespeichert hat. Nur die Exportdateien (HTML oder PDF) können frei weggespeichert werden.

Nachteile
Als größten Nachteil sehe ich persönlich die Beschränkung auf zwei Exportformate, nämlich HTML und PDF. Beide sind im Grunde schlecht dafür geschaffen, damit weiterzuarbeiten. Man kann natürlich einwenden, dass man die Planung ja nicht vornimmt, um sie dann komplett wieder über den Haufen zu werfen. D.h., es sollte normalerweise nicht so sein, dass man den Plot während der Schreibphase ändert, oder man tut es eben im Programm selber, exportiert die Änderungen erneut und arbeitet damit weiter. Writer’s Lounge ist definitiv nicht dafür geschaffen, nach der Planung direkt im Programm weiterzuschreiben. Was mich aber stört ist, dass man das bereits Geschriebene aus Writer’s Lounge schlecht weiterverwenden kann (und hin und wieder wird man doch während der Planung einzelne Dialoge einbringen, o.ä.).
Man kann zwar schon aus dem HTML- oder PDF-Export herauskopieren, aber das ist nicht besonders komfortabel: Der HTML-Export stellt Umlaute nicht richtig dar, man müsste dann also alle Umlaute korrigieren. Und aus einem PDF-Reader rauskopieren hat immer den Nachteil, dass harte Zeilenumbrüche eingefügt werden, muss die also auch alle korrigieren. Vielleicht würde ich mir daher noch den Export als Textdatei wünschen, dann wären zumindest diese zwei Probleme beseitigt.

Weiterhin finde ich es immer ein bisschen nervig, dass ich z.B. beim Erstellen der Kapitel oder Szenen die gerade angewählte Szene mit Strg und Mausklick wegklicken muss, damit ich eine neue Szene auf derselben Ebene einfügen kann. Wenn ich das nicht tue, wird die nächste Szene als Unterszene eingefügt.

Für mich persönlich fehlt noch die Möglichkeit, den Plot irgendwie visuell anders darzustellen, vielleicht als MindMap, im Zeitstrahl, o.ä. Sowas ist doch immer auch sehr nützlich, um auch andere Aspekte und Probleme der Handlung (z.B. zeitliche oder örtliche Konzentration von Handlungen, Verstrickungen oder Beziehungsmuster, usw.) wahrzunehmen.

Fazit
Writer’s Lounge hat den Vorteil, dass man sehr strukturiert und übersichtlich einen Handlungsverlauf herstellen kann, mit allem was dazu gehört. Allerdings taugt das Programm nur zur reinen Planung. Die Geschichte schreiben muss man in seinem eigenen Textverarbeitungsprogramm. Die Arbeit, die man mit Writer’s Lounge erstellt hat, kann man als HTML- oder PDF-Datei exportieren und als Vorlage verwenden (z.B. ausgedruckt oder direkt auf dem Bildschirm). Außerdem läuft das Programm plattformunabhängig, da es mit Java entwickelt wurde.