Veröffentlicht in Hilfsmittel und Werkzeuge

Software-Kritik: Scrivener

Ich teste gerne Software, auch wenn ich regelmäßig im Voraus schon weiß, dass ich die Software im Grunde gar nicht benötige. Auch bei Scrivener war mir das bewusst, trotzdem habe ich die Testversion installiert und werde heute meine Eindrücke mit euch teilen.

Hier mein erster Eindruck nach dem Start:

Scrivener Startbildschirm

Zugegeben, ich war erstmal etwas überfordert. Wofür soll das gut sein? Nach dem ich die ersten Kapitel des Tutorials durchgearbeitet hatte, wurde mir einiges klarer. Scrivener ist sozusagen alles, was man als Autor braucht. Sowohl Textverarbeitung als auch Wiki als auch Notizzettel und Ablage von Recherchematerial. Man kann es nutzen zur Herstellung von Plots und Geschichtssträngen als auch für das eigentliche Manuskript. Es ist ein sehr vielseitiges Tool. Aber die Vielseitigkeit wird meines Erachtens auch zu seinem Problem.

Fangen wir vorne an. Der Grundaufbau von Scrivener ist der eines Wiki. Jedes Projekt ist eine Art Ordner, in dem alles gesammelt wird. Die linke Leiste wird Binder genannt und ist sowas wie das Inhaltsverzeichnis dieses Ordners.

Es dient sowohl zum Navigieren als auch zum Erstellen der eigentlichen Struktur. Das Testprojekt, das man hier sehen kann, ist aufgeteilt in Draft (=Entwurf), Research (=Recherche) und Trash (=gelöschte Inhalte). Dazwischen hat der Autor eigene Kapitel eingefügt (Part 1, Part 2, usw.). Man könnte hier seine ganz eigene Aufteilung vornehmen, wenn man ein Buch schreibt: nach Kapiteln, Anfang-Mittelteil-Schluss, usw. Die Teile selber kann man dann auch nochmal in unterteilen, in Szenen oder Unterkapitel, usw. Das wirklich tolle daran ist, dass man bei Scrivener diese einzelnen Kapitel und Teile in der Ansicht so darstellen lassen kann, dass sie wie ein Kapitel aus einem Guß erscheinen. Trotzdem sind sie innerhalb der Software getrennt. Man kann auch Kopien von jedem Text herstellen, ehe man ihn verändert. Damit hat man den Ausgangszustand noch irgendwo in der Hinterhand, und wenn man dann doch wieder zurückändern möchte, geht das mit einem Knopfdruck.

Auch sehr schön ist, dass Scrivener aus jedem Unterkapitel gleich eine Karteikarte erstellt, die man in der Pinnwand-Ansicht schön geordnet ansehen kann.

Scrivener Pinnwand-Ansicht

Die Karteikarten werden entweder automatisch mit den ersten Sätzen des Textes befüllt, oder aber man trägt diese im Inspector selber ein.

Zu guter Letzt bietet Scrivener auch noch die Möglichkeit, dass man dieses Projekt in ein Normseiten-Manuskript umwandelt. Man kann auch ganz gezielt nur bestimmte Teile in das Manuskript exportieren, sodass wirklich nur das dort landet, was man tatsächlich beim Verlag abliefern möchte.

Was nutzt einem aber nun so eine Software wie Scrivener? Wie gesagt, es ist die eierlegende Wollmilchsau. Man legt seine Charakterskizzen ab, ebenso wie den groben Ablauf der Geschichte, man legt Bilder, Diagramme und sonstiges Recherchematerial ab (PDF-Dateien, Bilder und Videos können direkt in Scrivener abgespielt werden), ohne dass man sich merken müsste, wo man das Zeug denn nun untergebracht hat. Zwischen dem eigentlichen Manuskript kann man Notizen einbauen, die je nach gewählter Ansicht (Dokumentenansicht, Scrivening = alle Dokumente eines Kapitels untereinander, Pinnwand und Outliner) in den Text miteinfließen oder gesondert betrachtet werden können. Man hat die Möglichkeit, Querverweise herzustellen, zu verschieben, und noch vieles mehr zu tun. Und wenn man am Schluss fertig ist mit seinem Projekt, drückt man auf den Exportbutton, klammert alle Inhalte aus, die man nicht im Manuskript haben möchte und voilà, fertig zur Abgabe.

Das ist sowohl Vorteil als auch Nachteil zugleich. Denn Scrivener hat sehr viele Funktionen, die man auch erstmal erlernen muss. Wer hat die Zeit und Muse, das zu tun? Natürlich, jede Software kann hilfreich sein. Aber hat jeder auch die Zeit und Lust, sich in diese Software einzuarbeiten? Dann stellt sich auch die Frage, wie Scrivener mir dabei helfen kann, meinen Roman fertig zu schreiben bzw. produktiver zu sein. Fakt ist, dass keine Software etwas nützt, wenn man nicht schreibt und nicht an seinem Projekt weitermacht. Da ist auch Scrivener keine Ausnahme. Aber in Sachen Produktivität kann Scrivener einem helfen, die Dinge an einem Ort zu hinterlegen, sodass man nicht später suchen muss, wo man diese oder jene Information abgelegt hat. Man hat alles zur Hand, kann es direkt einsehen, während man schreibt (den Scrivener-Bildschirm kann horizontal bzw. vertikal aufteilen, wenn nötig, um zwei Dokumente gleichzeitig anzusehen). Das würde ich als den größten Nutzen betrachten.

Einem ähnlichen Ansatz folgt übrigens auch die OpenSource-Software Zim. Sie ist aber nicht extra für Autoren gedacht, sodass auch einige nützliche Funktionen fehlen, die dafür in Scrivener vorhanden sind. Aber das Prinzip ist dasselbe: Ein Ort, an dem alles abgelegt wird, getrennt in einzelne Dokumente, die man zur Not auch zusammenführen kann. (Bei Zim nicht so schön wie in Scrivener.)

Fazit: Scrivener gleicht einem Wiki mit eingebauter Textverarbeitung. Die Software bietet alles, was man als Autor/Schriftsteller braucht. Sie eignet sich ebenso gut zur Erstellung von Notizen, Handlungssträngen als auch für die Ablage von Recherchematerial und der Erstellung des eigentlichen Skripts. Aber wie jede Software auch steigert sie die Produktivität des Anwenders nur, wenn der a) regelmäßig schreibt und sein Schreibprojekt vorantreibt und b) sich mit den vielen Funktionen der Software vertraut macht.

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Veröffentlicht in Meinung

Quo vadis?

Ich habe mich in den letzten Tagen gefragt, wie mich das, was ich bisher gemacht habe, eigentlich meinem Ziel näher bringt.

Letzte Woche bin ich mit Jo Nesbøs „Der Erlöser“, und gestern dann mit „Feuer und Stein“ von Diana Gabaldon fertig geworden (und letzteres war wirklich ein dicker Schinken, den ich aber doch in nur 3 Tagen und Nächten durchgelesen hatte).

Insgesamt ist mir klar, dass ich in den nächsten Wochen (eher Monaten) nicht die Zeit aufbringen kann, die ich gerne hätte, um meine Ideen in die Tat umzusetzen. Hin und wieder schreibe ich schon drauf los, dann aber wieder bin ich nicht so recht zufrieden mit dem, was ich da so produziere.

Ich denke, dass ich mindestens bis zum Sommer damit verbringen werde, eher wieder zu lesen statt selber zu schreiben. Gerade bei Feuer und Stein habe ich gemerkt, dass die Autorin es wirklich geschafft hat, mich in diese Welt einzuführen, obwohl ich zunächst nur ein laues Interesse hatte. Es war aber eine sehr romantische und fesselnde Geschichte, und obwohl ich kein so großer Fan von historischen Romanen bin (und ehrlich gesagt auch ein bisschen genervt war von den vielen Einzelheiten zu irgendwelchen Königen und politischen Konstellationen Schottlands), war die Geschichte an sich gut und einfach gestrickt: Frau, Mann, Sex, Intrigen, Verstrickungen, Gewalt. Und hin und wieder die Erkenntnis, dass ich die Geschichte nicht so treffend schreiben und ausformulieren hätte können. Daher habe ich den Entschluss gefasst, noch ein bisschen mehr zu lesen und zu lernen.

Veröffentlicht in Bücher, Meinung

Ein Krimi aus viktorianischer Zeit

So, Wer sich in Gefahr begibt von Ann Granger habe ich durchgelesen.

Insgesamt war mein Eindruck gemischt. Anfangs schien das Buch so ein bisschen in die Richtung von Agatha Christie zu gehen, und eigentlich gefiel mir das ganz gut. Als Jugendliche war ich ein echter Fan der Christie-Romane, habe sie geradezu verschlungen… aber, naja, irgendwann ist es einfach auch zuviel. Und ich hatte sicherlich zuviel von Hercule Poirot und Co. Trotzdem war ich beim Anblick eines Krimis aus viktorianischer Zeit geradezu entzückt, weil mich das irgendwie an die spannenden Stunden zurückerinnerte.

Insgesamt stellte ich beim Lesen aber fest, dass mich dieses bürgerlich-spießige Getue mächtig nervt. Frauen dürfen dies nicht, Frauen dürfen das nicht, und all die damit verbundenen gesellschaftlichen Tabus, unausgesprochenen Regeln und Gesetze empfand ich als Leserin nicht nur abgedroschen sondern einfach nur langweilig. Ja, ich weiß, man kann die Geschichte nicht zurechtrücken, und eine ledige Frau, die damals schwanger wurde, hatte gesellschaftlich nicht viele Chancen – zumindest ist es das, was wir glauben.

Aber mal ehrlich, nicht alle unverheirateten Frauen, die damals schwanger wurden, haben sich von ’ner Brücke gestürzt. Nicht alle sind Bettler geworden oder mussten auf die Gütigkeit und Almosen anderer hoffen. Irgendwie ärgern mich diese Stereotypen schon sehr. Und so war es auch beim Lesen dieses Romans. Immer wieder das typische Schubladendenken, z.B. von Mördern, die ganz bestimmt „Monster“ sind, oder jenen, die „zu Mördern gemacht werden“, vom armen aber dummen und naiven Opfer, das sich sowieso nur mit „Schundromen“ (Liebesromanen) die Zeit vertrieb. Ach, ich kann es gar nicht mehr hören. Vielleicht hatte ich doch einfach zu viel von dieser Sorte Roman.

Im Grunde fehlte mir eine durchtriebene, skrupellose und ausgefuchste Hauptfigur, die ganz entgegen den gesellschaftlichen Normen und Erwartungen handelt und psychologisch brilliant agiert. Tja, vielleicht sollte ich so einen Roman selber schreiben.

Was den zweiten Roman aus der Reihe Lizzie Martin und Benjamin Ross angeht, so sehe ich gerade, dass Neugier ist ein schneller Tod 16,95€ kostet (allerdings die gebundene Ausgabe; das Buch, das ich habe, ist nur broschiert und war dementsprechend billiger). Ob ich mir den zweiten Band antue? Im Moment denke ich eher nicht. Es ist schon sehr auffällig, wenn man ein Buch freiwillig aus der Hand legt und fast zwei Tage nicht beachtet, wenn die Hauptfigur gerade im Begriff ist, der Polizei einen wichtigen Zeugen vorzustellen.

Veröffentlicht in Bücher, Meinung

Milchgeld von Klüpfel und Kobr

Eigentlich wollte ich dieses Blog nicht dazu „missbrauchen“, Buchrezensionen zu verfassen. Genaugenommen möchte ich über das vorliegende Buch auch gar keine Rezension verfassen, wenn ich ehrlich bin. Vielmehr möchte ich eigentlich nur meine Gefühl(e) schildern, die sich beim Lesen eingestellt haben und die mich doch ein wenig fasziniert haben.

(Ich weiß, dass ich noch gar nichts über mein 12-Wochen-Programm nach Cameron geschrieben habe, man möge mir das nachsehen, da ich die letzte Woche krankheitsbedingt kampfuntauglich war und am Wochenende noch eine berufliche Weiterbildung besucht habe. Ich werde im Laufe der Woche sicher noch Zeit finden, was dazu zu schreiben.)

Aber nun zum Buch:

Ich muss gestehen, dass ich in letzter Zeit eher wieder weniger lese. Ich bin ja nicht so der Typ, der ein Buch nach dem anderen „weghaut“, und das über längere Zeiträume. Ich bin eher der schubweise Leser, der die Kraft hat, drei, vier, fünf oder gar sechs Bücher in wenigen Wochen (manchmal Tagen) zu verschlingen, und dann erstmal wieder wochen- oder monatelang nicht liest. Außerdem bin ich in den letzten Monaten doch sehr wählerisch geworden mit meiner Buchwahl – was jetzt nicht heißen soll, dass ich nur intellektuell wertvolle Bücher lese oder solche, die von Kritikern als besonders beachtenswert angesehen werden. Im Gegenteil, ich lese meist eher gegen den Strom und brauche manchmal Jahre, um sogenannten Bestsellern meine Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.

In letzter Zeit bin ich sehr darauf aus, Bücher von Autoren aus der Region zu lesen bzw. vermehrt deutschen Autoren eine Chance zu geben. Und so fiel meine Wahl diesmal auf den Allgäu-Krimi Milchgeld von Klüpfel und Kobr. Ehrlich gesagt war das Buch zweite Wahl, da ich eigentlich wieder was von Bottini lesen wollte, aber aktuell dazu nichts in meiner Buchhandlung fand. Letztlich wurde es dann doch der Kluftinger-Krimi, dem ich frühestens nach meinem 40. Geburtstag eine Chance geben wollte. Ja, ich gebe es zu, ich konnte mir nicht vorstellen, dass ein Regionalkrimi aus dem Allgäu unter 40-jährige anspricht.

Ich möchte jetzt auch keine Hasstiraden über ehemalige Nachbarn ablassen, die ich während meiner Kindheit ertragen musste und die regelmäßig das Allgäu als Ferienziel angesteuert haben – ist es ja quasi „nur um die Ecke von uns“ (naja, es sind ca. 2 Std. Fahrzeit nach Kempten). Letztlich habe ich es mir aber etwas übel genommen, dass ich es in Erwägung zog, Spaß an einem Allgäu-Krimi zu haben. Den hatte ich aber. Zwar nicht gleich zu Beginn – die ersten 10-15 Seiten fand ich etwas schleppend – aber dann dafür umso mehr.

Zuerst muss ich gestehen, fand ich die Figur Kluftinger laaaaangweilig. Ne, so richtig öde. „Kann das was werden?“ habe ich mich gefragt. Tatsächlich ist die Figur ja recht tolpatschig, was zumindest am Anfang nicht so toll rüberkommt. Wenn ich mich recht entsinne, hatte ich da zuerst das Bild meines Vaters vor mir, der sicherlich auch den einen oder anderen Schnitzer à la Kluftinger in seinem Leben fabriziert hat. Allerdings machte es das Bild dieses Kommissars deshalb nicht charmanter, im Gegenteil. Wer liest schon gerne einen Krimi über eine Person, die sich teilweise genauso verhält wie der eigene Vater? Ich konnte mir das zumindest anfangs nicht so recht vorstellen.

Aber so mit der Zeit gab es die eine oder andere Macke, die man anfing richtig lieb zu gewinnen – eben wie den eigenen Vater. Ich muss auch gestehen, dass ich gar keine Zeit in technische Analyse o.ä. investiert habe, was ich aber sicher noch nachholen werde (allerdings verkneife ich mir dazu einen schriftlichen Beitrag hier im Blog). Zum Schluss möchte ich auf jeden Fall hinzufügen, dass ich mir bei Gelegenheit auch den zweiten Fall besorgen werde, aber wahrscheinlich erst nach den Weihnachtsfeiertagen. Und dann schauen wir mal weiter, ob mir dieser Allgäuer Schwabe weiterhin sympathisch bleibt.