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Was wirklich schwer ist …

…, wenn es um mein eigenes Romanprojekt geht, ist meine Art, schnell die Lust zu verlieren.

So hänge ich gerade an den Beschreibungen für meine Romanfiguren. Und obwohl ich genau weiß, dass ich vor ein paar Monaten noch dafür gebrannt habe, denke ich jetzt: „Ach, wäre diese andere Geschichte nicht viel interessanter?“

Es fällt mir echt schwer, mich auf eins zu konzentrieren. Immer schießen andere, potenziell bessere und spannendere Geschichten durch meine Gehirnwindungen. Dann kann ich mich kaum dazu aufraffen, an der einen dran zu bleiben und meine Energie darin zu investieren. Ich merke es gerade, wie schwer das ist, sich dazu fast schon zu zwingen. Klar, ich kenne den achtsamen Ansatz: Andere Ideen wahrnehmen, ggf. aufschreiben und sich dann wieder „dem Wichtigen“ widmen.

So sabotiere ich mich selbst

Aber gerade dann, wenn ich mich an mein aktuelles Projekt setzen möchte, scheinen die Ideen für andere Geschichten so dauerhaft durch meinen Kopf zu wandern, dass ich selbst mit dem reinen Wahrnehmen und Notieren dieser Ideen schon so lange beschäftigt wäre, dass für die eigentliche Aufgabe keine Zeit/Energie mehr übrig wäre. Das Problem ist alt und nicht unbekannt, insofern könnte ich es auch einfach ignorieren.

Dennoch wird mir heute klar, wie sehr mich das bisher beim Schreiben behindert hat. Kein Projekt ist so richtig fertig geworden, weil ich mich immer anderen Dingen gewidmet habe. Und wenn ich mir sage: „Nichts da, heute wird ganz streng an dem einen Projekt gearbeitet!“, erdrückt mich die Last neuer Ideen fast. In solchen Momenten merke ich auch, wie wenig das Schreiben dann Spaß macht. Es ist fast schon eine Bürde und dann lasse ich es manchmal lieber. 😥

(Ich glaube, ich träume lieber als dass ich einen Traum wahr werden lasse. )

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Ich räume auf

Ich räume mein Google-Docs-Konto auf, und dabei finde ich in und wieder Schreibproben, die ich angefertigt habe. Weil ich keinen besseren Platz habe, lege ich sie hier ab:

Nr. 1:

Es war nur ein Gefühl gewesen, eine körperliche Wahrnehmung, die für einen Bruchteil von Sekunden von den Füßen aufwärts tief durch meine Knochen fuhr und mich daran erinnerte, wie ich auf dem Pink Floyd-Konzert trotz Ohrenschützern der Klasse vier jedes Zupfen der Bassgitarre im Brustkorb gespürt hatte. Doch das Knacken, das ich trotz des lauten Tosens der Wassermassen wahrgenommen hatte, war körperlich so erschütternd gewesen, dass ich für einen Augenblick in der Vorwärtsbewegung verharrte und die Luft anhielt. Als ob die zusätzlichen neunzig Kilogramm für den zwei Kilometer langen Staudamm unter mir von Bedeutung gewesen wären. Unter normalen Umständen hätte ich es mit Erleichterung aufgenommen, nicht der Tropfen gewesen zu sein, der das Fass zum Überlaufen gebracht hatte. Beim Anblick der schäumenden Wellen, die auf mich zu rasten, war dies jedoch kein Trost für mich.

Nr. 2:

Kalte, müde Einöde tat sich vor ihren Augen auf. Sie stapfte lustlos durch das kniehohe Weiß. Weiß, so weit das Auge blicken konnte. Sonst nichts. Keine Bäume, keine Einschnitte, keine Bächlein, die es unterbrachen. Weit vor ihr fiel das Weiß scheinbar ab, doch sie konnte nicht mit Sicherheit sagen, ob es nicht einfach nur zu weit weg war, um vom Auge noch klar erkannt zu werden. Vielleicht ging es gerade so weiter.
Sie stapfte weiter, ziellos. Es war erstaunlich, mit welcher Kraft sie einfach weitermachte, nicht anhielt, nicht einmal überlegte, ob es etwas bringen könnte, in eine andere Richtung zu laufen. Sie wusste nicht einmal, ob sie die Richtung nicht automatisch änderte, z.B. dem Lauf der Sonne folgte oder irgendwie krumm und schief lief. Es gab keinen Anhaltspunkt, nichts, an dem man sich hätte orientieren können. Es war die blanke, nackte Eiswüste, die sie durchquerte. Und doch schritt sie hindurch, als ob vor ihr Markierungen auf dem Schnee wären und ihr Ziel in greifbarer Nähe.
Sie trug einen dicken, braunen Wollmantel, viel dunkler, als ihr in Schneckenlocken fallendes Haar es war. Hin und wieder strich sie eines der hinausfallenden Locken aus dem Gesicht, aber sie fielen doch wieder hinaus und versperrten ihr die Sicht. Nichts hinderte sie daran, trotzdem weiter zu gehen, Schritt um Schritt. Nur das Geräusch ihres Atems und der weiße Dunst vor dem Gesicht verrieten, dass sie menschlich war. Ihre energischen Schritte, ihr Tunnelblick, ihre Entschlossenheit hätten vermuten lassen, dass sie es nicht war. Aus einiger Entfernung hätte jeder geschworen, dass sie eine Maschine war. Aber sie war es nicht. Sie war aus Fleisch und Blut und hatte Gefühle.
Ihre Zehen mussten taub sein. Die dicken Stiefel reichten bis knapp unters Knie, jede Menge des dicken, knarzigen Weiß hatten sich schon an der Öffnung hineingepresst und einen weißen Kranz gebildet. Wenn sie ihre Beine kraftvoll aus dem Schnee zog, fielen einige Brocken ab und verrieten, welche Farbe die Stiefel wirklich hatten. Immer weiter, immer geradeaus, immer auf das nicht vorhandene Ziel steuerte sie zu.

Nr. 3:

LA war die Hölle, oder doch zumindest ein Sumpfloch. Wer sich den Mittelpunkt der Weltfilmindustrie verträumt, malerisch, romantisch und verklärt vorstellt, war noch nie in dieser aus Smog und Dreck und Abfall bestehenden Saugglocke von Träumen und Visionen gewesen. Sie reisen hierher, verehren es wie manch andere Mekka, Rom oder Jerusalem verehren. Dabei ist diese Stadt einfach nur eine Ansammlung billiger Bauten, die auf Geröll und Abfall vergangener Generationen errichtet wurden. Und wie keine andere Stadt, saugt LA die Träume und Wünsche so vieler Menschen auf, nur um sie unverdaut herauszufurzen. Warum es gerade mich dort hin verschlug, kann ich nicht wirklich beantworten.

Alles fing damit an, dass ich ein super Leben hatte. Einen Mann mit ordentlichem Gehalt, zwei schöne und kluge Kinder und ein Liebesleben, das manche Menschen nur aus Romanen kannten. Und dann kam eines Tages ein LKW und zerpflückte diesen Traum des perfekten Lebens, und meinen Mann in seinem Smart for two gleich dazu.

Zwar hatte ich irgendwann in meinem Leben studiert, jedoch nie abgeschlossen. Ich war weit gekommen mit dem Studium und es fehlte eigentlich nur ein ganz, ganz, ganz klein bisschen was, um mich dann Dipl.-Psych. schimpfen zu können. Dieses ganz, ganz, ganz klein Bisschen gönnte mir die Uni aber nicht. Es hieß, ich müsse jetzt nochmal von vorne beginnen. Ich zeigte ihnen den Vogel und heulte erstmal sieben Tage. Ein Leben mit Hartz IV und als Ein-Euro-Jobber war nicht Bestandteil meines Lebensplanes gewesen.

Das Schicksal meinte es jedoch gut mit mir. Die Götter wiesen mir gen Westen, genau genommen nach Frankreich. Dort war man so nett und kulant und der Meinung, ich hätte doch genug studiert im Leben. Sie luden mich ein, umwarben und umgarnten mich, flüsterten mir mit süßen Zungen und vollmundigen Worten, ich möge doch ins Land der Gourmets, der Haute Couture und des Savoir-Vivre kommen. Man würde mich mit offenen Armen empfangen. Das taten sie dann wirklich.

Und wie nett sie waren, die Franzosen. Sie gaben mir einen Abschluss, eine Möglichkeit zur Arbeit und eine Zukunft. Ich dafür gab meinen alten Pass her und nahm den ihren an. So vollzog ich einen Wandel, den nicht einmal der Herr und mein Mann in ihren kalten Gräbern für möglich gehalten hätten. Ich hatte sie nicht um Erlaubnis gefragt.

Und so lebte ich schön und gut, bis eines Tages der Chef der psychiatrischen Abteilung, in der ich arbeitete, eine Klinikpartnerschaft mit einem Suchtzentrum irgendwo inmitten des nordamerikanischen Urwalds einging. Wir tauschten uns kräftig aus: nette Bilder, Weinflaschen und Psychotherapeuten. Ich war dabei.

So verkaufte ich Haus und Hof, schnappte meine zwei Kinder und flog mit Sack und Pack nach Detroit in Michigan. Wir verbrachten dort eine Woche, dann wurde die Klinik wegen Maden im Essen und mehreren ungeklärten Todesfällen geschlossen. Na toll!

Eine Rückkehr ging nicht. Mein Chef konnte den netten amerikanischen Kollegen nicht wieder nach Hause schicken. Schließlich war die Klinik ja geschlossen worden. Und ich? Das telefonische Schulterzucken stürzte mich in eine tiefe Krise. Und ich hatte sogar ihren Pass angenommen…

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Nachdenklich

Nicht nur die Korrektur von BB03 stimmt mich nachdenklich, sondern auch die Tatsache, dass ich eines meiner alten Projekte überarbeite und sogar nicht zufrieden bin mit dem, was ich da abliefere. Ich schreibe und schreibe, streiche weg und schreibe von vorne. Mittlerweile ist es der zehnte Anfang, und ich ende jedes Mal wieder an derselben Stelle: Mir gefällt das nicht, die Geschichte hat sich von der ursprünglichen Idee soweit verändert, dass ich gar keine Lust mehr darauf habe.

BB03 fiel flach aus. Der Geschichte fehlt es an Spannung. Es liegt nicht nur am wenig passenden Ende, sondern daran, dass ich den Konflikt nicht ausreichend ausgestaltet habe. Was das mit dem o.g. Problem zu tun hat? Genau deswegen schreibe ich meine Geschichte gerade immer wieder um. Die erste Idee ist zu gewalttätig, fast schon widerlich – das will ich nicht schreiben. Alles was folgt, ist nur noch lau, flach und kein bisschen lesenswert. Kaum Konflikt, oder nur sehr unglaubwürdige Konflikte.

In den letzten Tagen nagen Zweifel an mir. Vielleicht tauge ich einfach nicht fürs Geschichten schreiben. Was sich in meinem Kopf abspielt, kriege ich so nicht aufs Papier. Was ich aufs Papier bekomme, würde ich selber nicht lesen. 😦

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Donna Leon

Ich hatte mir die letzten Tage zwei Bücher aus der Bücherei entliehen: einmal Donna Leon, eines der Brunetti-Fälle, und einmal Peter Temple – Shooting Star.

Dabei fiel mir auf, wie unspektakulär Donna Leons Schreibstil ist. Sie schreibt flüssig, farbig, mit Würze, nutzt aber keine abgegriffenen Wörter. Es ist erstaunlich, wie gut die Analogien gewählt sind, welche Bilder sie gleich in meinem Kopf erzeugen. Auf den ersten drei Seiten schreibt sie knapp, aber umfassend über einen unbedeutenden, aber anfänglichen Erbstreit, den Kauf eines Hauses und schließlich den Fund einer Leiche, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte.

Und obwohl ich solche Bücher immer gerne auch „studiere“, also hauptsächlich lese, um zu ergründen, warum diese oder jene Szene so wirkt, wie sie es tut, warum ein paar wohl gewählter Wörter oder Sätze es schaffen, eine derartige Stimmung zu schaffen, vergesse ich meinen Vorsatz doch immer wieder und lese einfach nur, weil es Spaß macht.

Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und so habe ich mir fürs Wochenende nochmal zwei Bücher von ihr ausgeliehen, um das mit dem Studieren technischer Raffinessen doch noch hinzukriegen. Das andere, von Peter Temple, muss noch zu Ende gelesen werden. Hat auch seinen Reiz, geht aber in eine vollkommen andere Richtung.

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Nach dem 3. Kapitel ist die Luft raus

Ist mir schon häufiger aufgefallen, wenn ich mich mit einer neuen Idee ans Schreiben gesetzt habe. Manchmal bleibt da einfach keine Zeit für Pläne oder Sonstiges und ich lege direkt los, fange bei Kapitel 1 an und schaue, wie weit ich komme.

Häufig nicht über Kapitel 3. Ist mir am Wochenende auch wieder so gegangen. Und wieder eine halbfertige Geschichte, die ihr Dasein auf meiner Festplatte fristen wird. Schade.

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Um die Pause ein wenig zu überbrücken …

… poste ich hier einfach mal eines meiner Werke, dass ich irgendwann geschrieben habe. Hat nichts mit dem Fernkurs zu tun (war also keine Aufgabe), sondern ein Werk, dass ich innerhalb von 10 Minuten einfach mal verfasst habe … ist auch gar nicht fertig, sondern nur ein Anfang. Viel Spaß!

Es war ein Tag wie jeder andere. Nachdem ich den Wecker mundtot gemacht und ihn an seinen angestammten Platz geworfen hatte, krabbelte ich mit halb geöffneten Augen aus dem Bett. Dann schlürfte ich langsam zur Toilette, nickte nochmal kurz ein, während meine Blase ihr Bedürfnis selber erledigte, und wachte erst nach dem obligatorischen Pups wieder auf.

Mittlerweile fiel es meinen Augen leichter, sich fast komplett zu öffnen. Ein wenig hingen die Lider noch nach unten und versperrten die Sicht auf den oberen Teil des Spiegels. Da dieser aber sowieso voller Wasserspritzer war und an ihm auch schon Wollmäuse hingen, war die visuelle Erfassung nicht weiter von Bedeutung. Die Zahnbürste vibrierte munter in meinem Mund. In Gedanken hatte ich den Kaffee schon aufgesetzt, eingegossen und heiß getrunken. In Wirklichkeit würde es heute auch ohne gehen müssen.

Der Bus war mal wieder vollkommen überfüllt. Diese elenden Biester mit ihren Schulranzen trampelten auf meinen Füßen herum. Ich hielt mich an einer Stange fest, während der Fahrer den Bus schaukelnd zu Höchstleistungen trieb. Meine Stimmung war ungefähr so grau wie der Himmel, aus dem es unaufhörlich tröpfelte. Ich stellte den Kragen meines zwanzig Jahre alten kamelfarbenen Mantels auf. Eigentlich eine bescheuerte Idee, denn bekanntlicherweise kommt der Regen von oben und nicht von der Seite.

Diese Erkenntnis wäre dann auch fast der Grund für meine schlechte Laune gewesen. Nur Robert konnte in dieser Hinsicht noch die Führung übernehmen. Robert, der Flinke, Robert, der Experte, Robert, der Macher. Robert, das Arschloch. Warum konnte er nicht einfach weitergehen? Und warum kam dieser Typ überhaupt immer zur gleichen Zeit bei der Arbeit an wie ich?

„Moin Klaus.“
Seine Stimmung war widerlich gut. Positiv. Euphorisch. Um nicht zu sagen schwul.
„Morgen.“
Dass es Robert aber auch gar nicht merkte, wenn ich meine Ruhe haben will. Da habe ich seine Begrüßungen ein geschlagenes halbes Jahr schlichtweg ignoriert, und er grüßt immer noch. Hoffnungsloser Fall.
„Und, was hast du am Wochenende gemacht, Robert?“

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Nee, das ist nichts für mich

Die zwei Wochen, die ich für das Tagebuchprojekt (als Empfehlung von GR08) angesetzt hatte, sind nun vorbei. Und der Titel sagt schon aus, zu welchem Schluss ich gekommen bin: Ich bin einfach kein Mensch, der regelmäßig Tagebuch schreiben kann.

Klar, hin und wieder könnte ich mir das schon vorstellen. Allerdings denke ich persönlich, dass ein Tagebuch davon lebt, dass man mehrmals pro Woche seine Gedanken zu Papier bringt. Von den geplanten vierzehn Einträgen sind es bei mir gerade mal sechs geworden, was im Grunde auch nicht schlecht ist – zumindest für mich. Wenn ich das mal auf den Monat hochrechne, dann könnte ich im besten Fall mit zwölf Einträgen rechnen; im schlechtesten Fall auch mit keinem.

Aber schließlich ist das Alles nur eine Empfehlung, die man in die Tat umsetzen kann … oder auch nicht. Für mich dann wohl Letzteres.