Veröffentlicht in Meinung

Schreiben als Beruf?

Beruflich stehen Veränderungen an. Ich bin in einer Krise und muss neue Wege gehen.

Im Moment denke ich über einen kompletten Neuanfang nach. Das ist einerseits schwierig, weil ich erstens nicht weiß, wohin die Reise gehen soll und zweitens ist das mit dem Neuanfang auch nicht so einfach. Möglicherweise steht eine Umschulung an, und das ist ja keine kleine Sache. Außerdem kann ich das u.U. nicht alleine wuppen, müsste mich also an die Arbeitsagentur wenden. Aber erstmal müsste ich ja auch herausfinden, was ich denn beruflich gerne machen möchte.

Da kam bei mir auch die Idee, schreibend tätig zu werden. Entweder als Schriftstellerin, Journalistin, Werbetexterin, Verlagslektorin, Übersetzerin oder in sonstiger Weise. Zunächst war das ein ziemlich diffuser Gedanke. Irgendwas mit Schreiben sollte es sein.

Konkreter wurde es zunächst nicht

Als mir der Gedanke kam, passierten zwei Dinge. Zunächst musste ich mit einem HWS-Syndrom kämpfen, weil ich diesen Sommer viel Zeit vor dem Computer verbracht hatte. Offensichtlich in keiner guten Position, denn dadurch habe ich mir einen Nerv eingeklemmt und konnte schließlich nicht mal mehr auf mein Smartphone oder in ein Buch reinblicken. Insofern erschien es mir keine gute Idee, einen Beruf anzupeilen, der ebenfalls hauptsächlich vor dem Schreibtisch und dem PC stattfinden würde. Da wären HWS- oder sonstige Syndrome vermutlich auf der Tagesordnung.

Aber selbst als die Schmerzen etwas besser wurden hatte ich den Eindruck, das Ganze passt nicht zu mir. Im Grunde seltsam, weil ich schon gerne schreibe. Ich verbringe viel Zeit damit. Was also wäre falsch, das zum Beruf zu machen, was ich doch ohnehin schon tue?

Zwei Dinge fehlen mir

Es sind zwei Dinge, die es mir irgendwie schwer machen, mich dieser Idee sofort an den Hals zu werfen und sie umzusetzen. Erstens habe ich in meinem bisherigen Leben viele Dinge ohne großartige Ausbildung, einfach nur durch Learning-by-doing, getan. Das ist nicht die schlechteste Sache der Welt. Ich habe teilweise viel gelernt und auch gute (natürlich auch schlechte) Erfahrungen gemacht. Aber mir fehlte immer ein Zertifikat, ein Zeugnis, irgendwas, mit dem ich ganz offiziell sagen konnte: „Schaut her: Das tue ich, weil ich es gelernt habe.“

Ich weiß, dass das im schreibenden Bereich vielleicht gar nicht notwendig ist. Wo gibt es schon die staatlich geregelte Ausbildung zur Schriftstellerin? Haben Charlotte Link oder Sebastian Fitzek sowas? Nö, haben die nicht. Es zählt, was du zu Papier und zur Veröffentlichung bringst.

Dafür gibt es für Journalisten, Werbetexter, Übersetzer Ausbildungen, auch wenn nicht alle staatlich geregelt sind. Am Ende kommt es doch auch darauf an, was man kann und wie viel Erfahrung man in dem Bereich hat. Und auch hier ist irgendein Zeugnis kein Garant für eine Stelle (und es ist fraglich, ob mir eine solche Umschulung finanziert werden würde).

Aber das ist ja nur die eine Sache, die mir fehlt. Das andere ist das Gefühl, gut aufgehoben zu sein und auch Spaß daran zu haben. Ich sehe es ja hier, bei diesem Projekt. Mein Gott, wie lange eiere ich hier schon herum mit meinem eigenen Roman? Wie viele habe ich schon geschrieben und in den Tiefen meiner Festplatten verschwinden lassen? Wie oft habe ich mir gesagt: „Jetzt aber geht es los!“, nur um mich dann von Lebensereignissen oder ungünstigen Situationen ausbremsen zu lassen? Wie wahrscheinlich ist es, dass ich beruflich Fuß fassen könnte als Schriftstellerin?

Oder als Journalistin? Die ja hauptsächlich nur noch freiberuflich tätig sind, und immer neue Aufträge finden müssen, um sich über Wasser zu halten. Und dann gerne im Bereich der Werbetexterei, PR oder Schriftstellerei „wildern“, um ein erträgliches Einkommen zu haben?

Übersetzer sind zum großen Teil auch nur noch freiberuflich tätig. Wenige werden eingestellt und müssen sich dann eher mit organisatorischen Dingen herumschlagen, anstatt zu übersetzen. (Das weiß ich, weil ich in diesem Beruf – ohne Ausbildung – viele Jahre tätig war.)

Die Ernüchterung stellt sich relativ schnell ein

Während ich das hier so schreibe merke ich, dass sich bei mir relativ schnell ein Gefühl der Ernüchterung eingestellt hat. Nicht nur bezüglich der schreibenden Berufe und ihrer unsicheren Aussichten, sondern auch bezüglich mir selbst.

Mir wird immer klarer, dass ich wohl bei einem normalen Schreibtischjob mit klar definierten Aufgaben und Arbeitszeiten besser aufgehoben wäre. Nicht, weil die Freiheiten, die eine Schriftstellerin genießt, mir nicht gefallen würden. Sondern weil ich bewiesen habe, dass ich mit diesen Freiheiten nicht umzugehen weiß. Wäre ich hauptberuflich Schriftstellerin, würde man nie ein Werk von mir lesen, weil es keines gäbe.

[Es gibt natürlich immer noch die Möglichkeit, in einem Verlag unterzukommen und dort eine Festanstellung z.B. als Lektorin zu bekommen. Das habe ich noch nicht vollständig ausgeschlossen, bin mir aber durchaus bewusst, dass ich dafür auch keinerlei Qualifikationen und schon gar keine Vorerfahrungen habe. Sollte ich diesen Weg gehen wollen, wird es also auch ein steiniger. Zumal ich mit Ü40 für Arbeitgeber nicht mehr so attraktiv bin.]

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7 Kommentare zu „Schreiben als Beruf?

  1. Liebe Sonja,

    ich kann insgesamt deine Situation sehr gut nachvollziehen und bin da ganz bei dir, bei mir steht auch ein Neuanfang an. Außerdem wünsche ich dir, dass deine Nackenprobleme bald wieder besser werden und schließlich ganz verschwinden. Manchmal ist es gut, in seinen Körper hineinzuspüren – er reagiert schnell auf „ungute“ Situationen.

    Aber vielleicht nimmst du dir doch noch einmal einige Stunden Zeit und hörst richtig in dich hinein, was dir schon immer viel Spaß und Freude gemacht hat. Was kannst du anderen „geben“ oder „beibringen“? Worin warst du schon immer gut? Dann schaust du, ob es Leute gibt, die vielleicht schon das geschafft haben, wohin du wollen würdest und vernetzt dich/lernst von ihnen. Ich habe mittlerweile den Gedanken, dass ich nie mehr angestellt sein möchte. Aber jeder hat innerlich seine eigenen Richtlinien, denen er folgen muss und alles ist gleichermaßen in Ordnung.

    Zu den „Zertifikaten“: Einerseits geht es mir auch so. Dann habe ich aber mal eine schöne Anekdote von „Ka Sundance“ gehört: Er sagte, man solle sich vorstellen, du hast die schönsten Cookies für Freunde gebacken, die man sich nur vorstellen kann. Du hast diese Köstlichkeiten kreiert, weil du schon lange ausprobiert hast, wie es geht und immer wieder neue Zutaten genommen, bis deine Cookies absolut perfekt waren. Deine Freunde sitzen also alle in deinem Wohnzimmer, weil sie gerne deine tollen Kreationen ausprobieren wollen. Du legst alle auf einen Teller und willst schon losgehen. Doch plötzlich schmeisst du den Teller in die Ecke, feuerst die Cookies in den Mülleimer und sagst: Nein! Ihr kriegt keine Cookies!
    Die Freunde sind jetzt ganz aufgeregt und besorgt. „Warum nicht? Du kannst es doch so gut!“
    „Weil ich keine Köchin bin, ich habe kein Zertifikat für Cookies!“.

    Diese Geschichte hat mir total gut gefallen. Also keine Angst 🙂

    Liebe Grüße
    Katharina

    1. Hallo Katharina,

      prinzipiell hast du Recht, was die Zeugnisse angeht. Es ist oft nicht nötig und schmälert auch nicht mein Können. Allerdings habe ich in 10 Jahren Übersetzertätigkeit oft erlebt, dass mir Aufträge durch die Lappen gingen, weil das Offizielle fehlte. Gerade die Projekte, die mich gereizt hätten, blieben für mich unerreichbar, weil man ein Zeugnis, eine Referenz, einen Nachweis haben wollte, den ich nicht liefern konnte. Das ist mir einfach in Erinnerung geblieben.

      Ich bin schon recht viel in mich gegangen in den letzten Wochen und ehrlich gesagt, nichts ist klarer geworden. Stattdessen tun sich immer mehr Fragen auf, auf die ich keine Antworten habe. Das berühmte Bauchgefühl versagt bei mir und ich erlebe mich als ratlos. Die üblichen Fragen, was ich gut kann, was meine Stärken sind usw. helfen mir in dieser Situation nicht weiter. Leider. Außerdem habe ich den Eindruck, ich habe schon mein ganzes Leben bei anderen geschaut, was ich von ihnen lernen kann. Wahrscheinlich habe ich immer nur das nachgemacht, was andere mir vorgelebt haben. Nach so vielen Jahren frage ich mich ehrlich, was davon überhaupt von mir stammte, was aus mir kam oder ob ich wirklich nur ein furchtbarer Nachahmer bin, der selbst keinen eigenen Kern hat.

      Ich weiß, das klingt hart und viele Leute sagen mir: „Aber das hast du doch gut gemacht, und das, und das… „. Aber auch das hilft mir aktuell nicht. Vielleicht muss ich gerade einen anderen Weg gehen, von dem ich noch nicht einmal weiß, wo er anfängt, wie er aussieht und wo er mich hinführen könnte.

      Danke für deine netten Worte.

      Sonja 😉

  2. Hallo Sonja,

    alles Liebe auf deinem Weg und dass er klarer wird.
    Bei mir hat es sehr geholfen, als ich mich gefragt habe: Wie sieht mein idealer Tag aus? Was möchte ich machen und mit wem zusammen sein? Es klingt verrückt, aber nach langem Überlegen kam wirklich die Lösung und es stolperten so viele Dinge und Menschen in mein Leben, dass ich absolut dankbar bin. Das hilft mir über die jetzt gerade nicht einfachen Zeiten hinweg und hat mir viel Selbstbewusstsein gegeben.
    Sonst habe ich mir immer gesagt: Du bist nicht gut genug für dies und jenes… Jetzt sage ich mir: Doch, ich bin gut genug!
    Bezüglich der Zertifikate: Dann kann es sein, dass Kunden am Anfang (noch) etwas misstrauisch sind. Ich liefere dann „stattdessen“ eine Probe und versichere, dass Sie eine Art Geld-Zurück-Garantie haben, wenn die Zusammenarbeit nicht gefällt. Nach10 Jahren hast du ja vielleicht auch liebe Menschen, die dir eine Referenz schreiben.

    Wenn du gar keine Vision hast, dann ist es natürlich auch ein wenig schwierig – dann kommt vielleicht jemand, der bestimmter ist und dann deinen Weg bestimmt – weil du dir so unsicher bist. Dann gehst du eben lieber wieder mit einem anderen Vorreiter mit. Oder du gehst doch allein, dann ist es spannender.

    Momentan scheint es, du ziehst dich selbst herunter 😉 Brigitte Lämmle würde sagen, du schreibst eine Postkarte aus dem jammrigen Tal. Was würde dir denn helfen, wenn es nicht die üblichen Fragen sind? Denk dir neue aus! Stell dir die richtigen Fragen 🙂

    Herzlich,
    Katharina

    1. Danke für deine Anregungen, Katharina. Ich sehe, du kommst aus der Coaching-Ecke und kennst die typischen Fragen, die man eben so stellt. Ich übrigens auch. 😉

      1. Mach dir keinen Kopf. Ich kann ja auch gut was zurückweisen, wenn ich merke, es passt nicht. Da bin ich dann doch erfahren genug im Coaching, um zu wissen, wann es passt und wann nicht. 😉

  3. Danke Sonja. Manchmal fühlt man sich einfach nicht wohl (das kenne ich nur zu gut) und dann fehlt es einem gerade noch, wenn so eine „Jetzt komm und sieh es positiv“ um die Ecke kommt. Manche Tage sind eben einfach nicht so der Bringer.
    Dein Kursbericht klingt spannend für mich, das sind gute Aufgaben. Mal sehen, wie es dir weiter gefällt.

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