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Mein Problem

Gerade lese ich alte Tagebucheinträge von mir durch. Dieser hier stammt vom 03. Oktober 2011:

Schriftsteller führen Tagebuch. Heißt es. Ist vielleicht auch ein Vorurteil, ein Glaube, ein Wunschdenken. Ich selber tue mich ja immer noch schwer, auch wenn es mittlerweile seit März einigermaßen gut klappt. Nur täglich klappt es nicht.

Meine Aufgabe für heute ist es, einen Tagebucheintrag zu setzen. Da ich das Leben einer Schriftstellerin „imitiere“ – so tue als ob. Ist natürlich hart, wenn man sonst nicht so regelmäßig schreibt, plötzlich von jetzt auf gleich etwas anderes zu tun. Ich meine, es hat einen Grund, warum ich nicht jeden Tag Tagebuch schreibe. Es hat einen Grund, warum ich nicht jeden Tag irgendwas schreibe.

Was der Grund ist? Zum einen, dass ich nicht die Notwendigkeit sehe. Ich fühle mich nicht jeden Tag danach, etwas zu schreiben. Zum anderen finde ich es schwierig, Gedanken, die ich „fertig gedacht“ habe später zu Papier zu bringen. Es stimmt vielleicht ein Stück weit, dass es verloren geht, wenn es nicht sofort zu Papier kommt. Aber wenn ich sofort etwas niederschreibe, dann ist es so „unfertig“, so unperfekt, nicht zu Ende gedacht, nicht von allen Seiten beleuchtet worden. Es ist nicht gut genug für Papier. Und es erfordert auch ein Stück weit tiefe Konzentration, noch mal in sich zu gehen, jeden Aspekt wahrzunehmen, in sich selber zu spüren. Vielleicht auch Struktur und Ordnung reinzubringen. Wenn ich schreibe, dann prasseln die Gedanken, die Ideen gerade so auf mich ein und ich habe das Gefühl, nicht schnell genug schreiben zu können, um wirklich alle Gedanken, die plötzlich angeschwemmt zu kommen, aufzeichnen zu können.

Es ist irgendwie schon komisch. Ich will schreiben. Ich will meine Gedanken zu Papier bringen. Aber wenn es soweit ist, fühle ich mich überfordert mit den vielen Gedanken und Ideen, die dann zu Tage gefördert werde. Ist es vielleicht falsch gewesen, nicht schon vor Jahren mit dem Schreiben angefangen zu haben? Habe ich zu viele Dinge im Kopf gespeichert, als dass ich jetzt alles irgendwie auf Papier bekommen kann? Ist es überhaupt möglich, eine solche Umschichtung vorzunehmen?

Ich weiß nur, dass ich jeden Tag schreiben möchte und jeden Tag davor zurückschrecke, weil ich mit der Menge, die sich dann auftut, nicht zurecht komme. Es überfordert mich. Wie schafft man Struktur, wie geht man mit der Menge an Eindrücken und Dingen, die sich vor dem geistigen Auge auftun, zurecht? Ich meine, ich habe oft recht gute, detaillierte Eindrücke; manchmal auch nicht. Aber wenn ich dann soweit bin, es niederzuschreiben, weiß ich nicht wo anfangen. Wie schafft man Struktur?

Ein altes Problem. Guter Eintrag heute.

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5 Kommentare zu „Mein Problem

    1. Danke für die aufbauenden Worte. 😉 Ich habe nicht aufgegeben – noch nicht. Aber gerade erlebe ich einen richtig tiefen Durchhänger.

  1. Ich erlebe und leide mit Dir mit, aber sowas von, 100 %…

    Ich versuche es mit einem 12-Wochen-Kurs mit nur 4 Teilnehmern, regelmäßiges Abliefern von Texten innerhalb festgelegter Zeiten.

    Ein bisschen beruhigend finde ich, dass es mir nicht alleine so geht. Das hilft Dir zwar nicht weiter, aber … Ich wünsche schöne Ostertage ~ Vic

    1. Hallo Vic,
      irgendwie ist es wirklich beruhigend, wenn man nicht alleine im Boot sitzt. 🙂

      Wo machst du denn den Kurs? Hört sich interessant an – obwohl ich im Moment ganz bestimmt keinen weiteren Kurs brauche.

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