Veröffentlicht in Bücher, Meinung

Der Fall Blogger gegen Fantasy-Autor

Über einen Tweet der SdS bin ich auf den Fall eines Fantasy-Autors vs. einer Bloggerin gestoßen. Für diejenigen, die nicht wissen, worum es geht: Eine Bloggerin verfasste eine Buchrezension und erhielt daraufhin mehrere negative Kommentare des Autors zurück. Das führte sogar dazu, dass sich die Verlegerin einschaltete und mit rechtlichen Schritten drohte.

Dramatisch daran ist wohl, dass der Autor nicht nur einen negativen Kommentar verfasste, sondern mehrere und die Bloggerin darin auch beschimpfte. Dass auch die Verlegerin in diese Kerbe schlug, muss man als tragisch (im Sinne von „da kann man nur mit dem Kopf schütteln“) bezeichnen.

Auf den Fall an sich möchte ich jetzt gar nicht weiter eingehen. Was mich allerdings etwas betroffen machte, war die Tatsache, dass der Autor behauptete, man könne keine Rezension verfassen, wenn man ein Buch nicht vollständig gelesen habe. Die Bloggerin wiederum hatte ihre Rezension damit begonnen, dass sie von ihren zwei Anläufen berichtete, das Buch zu lesen und einfach nicht über Seite 90 hinaus kam. Und damit wolle sie es auch bewenden lassen.

Dabei musste ich mich an ein Werk eines berühmten amerikanischen Autors erinnern. Ich kaufte mir das Buch Ende der 90er Jahre im englischen Original und begann zu lesen. Mühsam ernährte sich das Eichhörnchen, denn nach 10 Tagen war ich nicht weiter als Seite 20 gekommen. Als das Buch dann einmal vier Wochen unberührt da lag und ich schon gar nicht mehr wusste, worum es eigentlich ging, begann ich wieder von vorne zu lesen. Diesmal kam ich ca. bis Seite 40. Dann war einfach Schluss. Ende. Ich konnte mich nicht motivieren, auch nur noch eine Seite zu lesen. Das Buch landete im Regal und verstaubte, bis ein Freund mich fragte, ob er es haben könnte. Ich gab es ihm gerne mit, denn ich fand es einfach nur furchtbar.

Ich wäre (und würde auch heute) nicht auf die Idee gekommen, eine Rezension zu verfassen. Wenn dieser Freund mich aber gefragt hätte, wie ich das Buch gefunden hatte, hätte ich ihm wahrheitsgemäß über meine Erfahrung berichtet, dass ich nach zwei Anläufen aufgegeben hatte. Ich fand das Buch damals einfach schlecht. Es lag nicht an der Sprache, denn ich las damals viele Bücher in Englisch. Ich konnte den Inhalt problemlos verstehen. Aber nichts an dem, was ich auf den ersten 40 Seiten fand, faszinierte mich. Was hätte ich sonst auch antworten können, wenn mich jemand gefragt hätte?

Natürlich sind 40 Seiten nicht das komplette Buch. Sie sind nur ein Teil davon. Es steht auch nirgendwo geschrieben, dass das Buch nach diesen ersten 40 Seiten nicht noch besser geworden wäre. Das Gegenteil behaupte ich auch gar nicht. Aber dass ich das Buch nicht zu Ende gelesen hatte, ist dennoch meine Erfahrung mit diesem Buch. Warum sollte ich das nicht mitteilen dürfen? Warum sollte ich über das, was ich während dieser ersten 40 Seiten negativ gefunden hatte, nicht berichten?

Kurzum: Ich kann keinen Grund sehen, warum ich nicht über meine Leseerfahrung berichten dürfte, auch wenn ich das Buch nicht bis zur letzten Seite gelesen habe. Es geht ja schließlich um meine persönliche Leseerfahrung, die genau so und nicht anders aussieht. Und dass nicht jeder meine Meinung teilt, zeigt sich alleine schon daran, dass das Buch, das ich mir gekauft hatte, später von Hollywood verfilmt wurde. Den Film habe ich mir aber niemals angesehen. 🙂

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