Veröffentlicht in Hilfsmittel und Werkzeuge

Braucht man zum Schreiben Spezialsoftware?

Im Zuge meiner letzten Software-Rezensionen und -Entdeckungen musste ich mir selber die Frage stellen, wie viel Software ein Autor/Schriftsteller eigentlich braucht. Was muss sein, was ist nett, aber nicht unbedingt erforderlich, was ist überflüssig?

Ganz klar ist, dass es da kein allgemeingültiges Maß gibt. Was der eine unbedingt braucht, findet der andere total unnütz. Und je mehr ich mich in das Thema einarbeite, umso mehr stelle ich fest, dass mich die vielen bunten Knöpfchen und Funktionen, Auswahl- und Eingabefelder verwirren. Beispiel Storybook: Die Tatsache, dass ich die Funktion „Teile“ in ihrer Sinnhaftigkeit und Funktion nicht verstand (und immer noch nicht verstehe), führte dazu, dass ich mich fast nicht traute, eine Szene anzulegen, weil ich das entsprechende Feld, das mir die Maske vorgab, nicht zu füllen vermochte.

Es ist auch verflixt, wenn man sich von starren Vorgaben dazu verleiten lässt, alles penibel und kleinlich auszufüllen, als ob man ein Formular für eine Behörde oder ein Amt ausfüllt. Und da stelle ich fest, dass die eigentliche Idee, die Geschichte plötzlich vollkommen in den Hintergrund tritt, weil man mit den technischen Begebenheit „kämpft“. Natürlich soll es so nicht sein. Ich denke nicht, dass die Entwickler des Programms das so im Hinterkopf hatten. Wahrscheinlich denken die sich auch: „Wenn du mit einem Feld nichts anfangen kannst, dann lässt du es halt leer.“ So sollte es vermutlich sein. Aber in dem Moment, in dem ich anfange, über die Notwendigkeit eines Feldinhaltes zu sinnieren, beschäftige ich mich nicht mehr mit meinem eigentlichen Vorhaben: eine Geschichte oder einen Roman zu schreiben.

Wenn ich ehrlich bin, dann bin ich über solche Entdeckungen wie Q10 oder JDarkRoom erleichtert. Da kommt man ohne Schnörkel und Schleifchen aus, es geht nur um das eine: die Geschichte. Die nötigsten Funktionen erlernt man in unter fünf Minuten, und dann geht es los. Man schreibt drauf los und schreibt und schreibt. Ohne auf das Äußere acht zu geben. Darum geht es auch gar nicht. Es geht nur um die Idee, die Handlung, die man verfolgt und weiterzuspinnen versucht. Das ist ein verdammt gutes Gefühl, wenn man einfach nur tippt und tippt und sieht, wie das eigene Werk wächst und sich weiterentwickelt.

Natürlich kann man diese Erfahrung auch mit Word oder OpenOffice.org oder Papyrus oder sonst einem anderen Textverarbeitungsprogramm machen. Man ignoriert einfach alle Schaltflächen, unterlässt es, Kopf- und Fußzeilen zu erstellen oder hier mal Fettschrift, da mal Kursivschrift einzufügen. Man lässt auch alle anderen Funktionen links liegen, z.B. die Rechtschreibprüfung oder Datenbanken, die mit dem Dokument verknüpft werden können. Man lässt es einfach sein und arbeitet an seiner Geschichte, lässt sich nicht ablenken und tut, was man tun muss, um damit fertig zu werden.

Und während ich das so schreibe, muss ich mir selber eingestehen, dass ich es in Word oder OpenOffice.org nicht schaffe, eben genau das sein zu lassen. Ich lasse mir falsch geschriebene Wörter mit einer roten Wellenlinie markieren, damit ich sofort verbessern kann, wenn ich mich vertippt habe. Oder ich füge Kommentare ein, die dann als kleine Post-It-Blasen am Rand erscheinen. So ist das doch gut erkennbar. Oder ich unterlege Absätze reihenweise in gelber Farbe, damit ich sie mir beim nächsten Mal nochmal durchlese und redigiere.

Fluch der Technik oder einfach nur Perfektionismus des Anwenders? Und kann eine Software da überhaupt Abhilfe schaffen?

Wie viel Software braucht man wirklich?

Advertisements

Ein Kommentar zu „Braucht man zum Schreiben Spezialsoftware?

  1. Also, für mich lautet die Antwort auf die Frage im Titel ganz klar: Nein. Ein einfaches Textverarbeitungsprogramm reicht, ein simples Word, vielleicht sogar auch nur Wordpad, und mein Stift und mein Skizzenbuch. Als erstes mache ich ohnehin immer handschriftliche Notizen, clustere meine Ideen, und wenn es dann anfäng zu kribbeln mach ich eine neue Datei in OpenOffice auf und es fliesst. Wahrscheinlich wäre nichtmal das nötig, wenn mir beim Schreiben nicht immer die Hand so schnell weh tun würde. Auch fehlt mir da die Backspace-Taste 🙂
    Storybook wollte ich mal ausprobieren, war mir dann aber zu kompliziert – jetzt lese ich erstmal die Kritik zu Q10: Hört sich schonmal spannend an, was du da schreibst 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s