Veröffentlicht in Hilfsmittel und Werkzeuge

Software-Kritik: Storybook

Ich hatte schon vor etlicher Zeit die Software Writer’s Lounge unter die Lupe genommen. Leider musste ich vor kurzem feststellen, dass es diese Software nicht mehr gibt. Jetzt, da ich einen neuen Computer habe, wollte ich das gute Stück nochmal nutzen, um an einer Idee zu arbeiten und da wäre mir der relativ einfache und klare Aufbau von Writer’s Lounge sehr gelegen gekommen.

Daher habe ich mich nach Software-Alternativen umgeschaut. Es gibt Vieles auf dem Markt, das Wenigste aber ist Plattform übergreifend (also für mehrere Betriebssysteme) konzipiert. Die meisten Angebote gibt es für MacOS, dann für Windows. Nur ganz wenige Software kann man auch unter Linux laufen lassen. Daher war ich ganz überrascht, dass es mit Storybook ein mir bisher unbekanntes Projekt gibt, das diese Lücke zu füllen versucht.

Ähnlich wie Writer’s Lounge auch eignet sich Storybook nur zur Plotgenerierung. Man kann darin nicht die komplette Geschichte schreiben, auch wenn mir die Möglichkeiten in Storybook doch deutlich größer erscheinen als damals in Writer’s Lounge. Aber fangen wir vorne an.

Zunächst einmal benötigt man Java 6, um Storybook zum Laufen zu bringen. Das ist übrigens für alle Betriebssysteme gleich. Leider hat Storybook (zumindest unter Linux) die schlechte Angewohnheit, sich ein eigenes /opt-Unterverzeichnis zu erstellen, und das im eigenen Home-Verzeichnis. Unter *nix-Systemen gibt es klare Vorgaben, wo welche Dateien abgelegt werden. Insofern knirschten mir bei der Entdeckung, dass Storybook offensichtlich diese Vorgaben ignorierte und diesbezüglich auch nicht einstellbar war, ordentlich die Zähne. Ich habe Storybook zwar mittlerweile verschoben, aber bekomme beim Start die Fehlermeldung, dass das /opt-Verzeichnis fehlt (*kopfschüttel*).

Aber genug des technischen Jammerns. Wenn man das Programm installiert hat, bekommt man beim Start folgendes Bild geboten (wenn man auf die Bilder klickt, werden sie vergrößert):

Startbildschirm
Storybook Startbildschirm

Bei mir war beim ersten Start Englisch als Menüsprache eingestellt. Unter File -> Preferences lässt sich das ändern, das Programm stellt sofort auf Deutsch um, wenn man „Apply“ oder „OK“ klickt. Danach muss man ein neues Projekt anlegen. Das sieht dann folgendermaßen aus:

Projekt anlegen
Projekt anlegen

Gott sei Dank erlaubt das Programm dann, dass man wenigstens den Speicherplatz für die Projektdatei selber auswählen darf. Und wenn man dies dann bestätigt hat, erscheint die chronologische Ansicht:

Chronologische Ansicht
Chronologische Ansicht

Hier lassen sich nun Figuren und Schauplätze einrichten. Man kann die Figuren aufteilen in Haupt- und Nebenfiguren, zu den Schauplätzen kann man genaue Adressen eingeben (und sogar GoogleMaps zu Rate ziehen). Desweiteren gibt es die Möglichkeit, verschiedene Geschichtsstränge einzurichten. Ebenso gibt es eine Kapitelaufteilung sowie die weitere Möglichkeit, „Teile“ anzulegen. Was genau mit „Teile“ gemeint ist, dahinter bin ich noch nicht gekommen. Es ist nicht die Szenenreihenfolge damit gemeint, denn die kann man gesondert eingeben, wenn man eine Szene einfügt. Leider haben mir die Hilfeseiten auf der Homepage von Storybook dabei nicht weitergeholfen.

Beim Anlegen von Szenen kann man diese verschiedenen Strängen zuordnen. Bei der Eingabe der Szenen bestimmt man auch, was quasi gleichzeitig, was zuerst und später passiert. So erhält man einen guten Überblick über den Verlauf der Geschichte. Ganz nett ist auch, dass es Diagramme gibt, die bildlich darstellen, wie häufig z.B. eine Person im gesamten Stück auftritt, wo die Geschichte sich die meiste Zeit abspielt, wer wann wo ist, usw.

Szenen werden Strängen zugeordnet
Szenen werden Strängen zugeordnet

Exportieren kann man diese Vorarbeit dann in verschiedene Formate: als Textdatei, PDF, HTML, CSV, RTF und ODP. Dies erleichtert die Arbeit ungemein, weil man damit die Vorarbeit direkt weiterverwenden kann. Dies hat mir bei Writer’s Lounge etwas gefehlt, weshalb mir diese Funktion bei Storybook doch sehr zusagt. Leider muss ich aber anmerken, dass Storybook wieder selber entscheidet, wo es diese Dateiexporte ablegt. Bei mir wurde (wiederum ohne Fragen) in Home ein Unterverzeichnis /storybook erstellt, in dem nochmal ein Unterverzeichnis mit dem Projektnamen liegt, und dort war dann die exportierte PDF-Datei. Keine Ahnung, ob Windows-User das weniger eng sehen als ich, aber ich finde Programme, die mal eben ungefragt Dateien irgendwo hinterlegen, wo sie (oder vielmehr der Programmierer) es für sinnvoll halten, furchtbar bevormundend und unflexibel.

Fazit: Storybook eignet sich zum Erstellen eines groben Aufbaus bzw. Plots einer Geschichte. Es gibt sogar einige Funktionen (wie z.B. das Anlegen von „Teilen“), die vielleicht unnötig sind (vielleicht für Kurzgeschichten, dann braucht man die Kapitel aber wiederum nicht). Man kann die fertige Arbeit dann in verschiedene Formate exportieren, um das bereits Verfasste weiterzuverwenden. Insgesamt empfand ich die Anwendung weniger intuitiv als bei Writer’s Lounge, aber da es diese Software nicht mehr gibt, muss ich mich mit dem Vorhandenen zufrieden geben. Einzig die Tatsache, dass das Programm selber bestimmt, wo es installiert wird und wo es Exportdateien ablegt, hinterlässt einen wirklich negativen Eindruck.

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Ein Kommentar zu „Software-Kritik: Storybook

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