Veröffentlicht in Hilfsmittel und Werkzeuge

Software-Kritik: Q10

Nochmal eine Software-Rezension. 😉

Über Q10 bin ich auf der Suche nach Software speziell für Schriftsteller und Autoren gestolpert. Q10 ist eigentlich nichts besonderes. Ich würde sogar sagen, dass vermutlich viele die Nase rümpfen und sich fragen werden, wer Q10 eigentlich braucht. Da wir heutzutage alle Notepad oder andere Texteditoren standardmäßig auf unseren Computern vorinstalliert haben, erscheint Q10 anfangs wirklich als überflüssig. Ich wenigstens hatte beim ersten Anblick das Gefühl, ordentlich veräppelt zu werden.

Beim Start bot sich mir nämlich folgender Bildschirm (nicht ganz, weil ich mittlerweile die Farben geändert habe, aber dazu gleich mehr):

Q10 Startbildschirm
Q10 Startbildschirm

Kein Scherz. Eure Augen lassen euch nicht im Stich. Das war es, was ich zu sehen bekam. Nichts. Als ich dann zu Tippen begann (damals noch mit heller Schrift auf schwarzem Hintergrund), war mir klar, dass es sich um einen ganz einfachen Texteditor handelte. Über F1 gelangt man in das Menü und wenn man das mal sieht, wird einem auch klar, dass Q10 ein Programm ist, dass nur mithilfe der Tastatur bedient wird.

Durch F1 gelangt man ins Menü.
Durch F1 gelangt man ins Menü.

Das hat natürlich seine Vor- und Nachteile. Der Programmierer schreibt auf seiner Homepage:

Full-screen. Focus on your work. Even if Mark Pilgrim doesn’t like full-screen editors, some of us do.

Ich als alter Hase in Sachen Computer habe ja mal wirklich mit Word-Versionen angefangen, die es nur in Full-screen gab, und auch nur mit Tasten kontrolliert werden konnten. Grafische Oberflächen gab es nicht, oder mussten sehr umständlich innerhalb von DOS gestartet werden. Ich kann also ganz gut verstehen, was Joaquín Bernal mit dem Programm verfolgt. Es ist so simpel wie möglich aufgebaut, kein Schnickschnack und Trallala, das einen von der eigentlichen Arbeit abhält. Und doch bietet es einige komfortable Funktionen, wie z.B. Echtzeit-Statistik (während man tippt, sieht man unten links, wie viel Wörter, Zeichen und Seiten man schon getippt hat – wobei man die Anzahl der Zeichen pro Seite selber einstellen kann. Ebenso kann man durch das Voranstellen von zwei Punkten (..) Notizen einfügen und diese dann ebenfalls gesondert ausgeben lassen. Man kann die verwendete Schrift, Schriftgröße und die Schriftfarbe einstellen. Es gibt die Möglichkeit, einen Zielwert (z.B. festgelegte Anzahl an Wörtern, Zeichen, usw., die man in einer Sitzung erreichen möchte) einzugeben, ebenso kann man einen Timer aktivieren, der nach abgelaufener Zeit Alarm schlägt.

Als einziges Dateiformat stehen Textdateien zu Verfügung. Der Vorteil dieses Vorgehens ist, dass man den Text in wirklich jedem Textverarbeitungsprogramm öffnen kann. Wenn man also irgendwann fertig ist mit seiner Arbeit und die Abgabe vorbereitet, kann man dies nochmal im Programm seiner Wahl tun. Da Verlage heutzutage immer noch die Normseiten erwarten, empfinde ich diese Lösung aber gar nicht schlecht. Mit Q10 kann man die Breite der Anzeige in Pixel, Zentimeter oder Zoll einstellen.

Obwohl es das Programm auch in deutscher Bedienerführung gibt, ist die Rechtschreibüberprüfung leider deaktiviert, weil die entsprechenden Korrekturdateien fehlen. Schade.

Ansonsten bekommt das Programm von mir eine 1-2, weil es so einfach, klein und handlich ist, auch portabel auf einem USB-Stick mitgeführt werden kann und wenig Platz einnimmt. Laut dem Programmierer gibt es nur eine Windows-Version; Versionen für Linux oder MacOS seien auch gar nicht geplant. Dank Wine läuft es aber auch jetzt schon stabil auf meinem Linux-Rechner. 😉

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6 Kommentare zu „Software-Kritik: Q10

  1. Hallo,

    Fullscreen scheint gerade ein Trend zu sein :-). Für Mac OS gibt es seit kurzem den Editor Bywords, der von der Beschreibung her sehr ähnlich zu sein scheint. Dann ist auch noch zu hoffe, dass die Entwickler der iPad-App iAwriter bald die versprochene Desktop-Version auf dem Markt bringen. Die App entspricht auch dem Fullscreen- und „Reduziert auf das Wesentliche“-Gedanken.

    Was Autoren-Software angeht, lohnt sich auch – so noch nicht geschehen – der Blick auf Writers‘ Cafe.

    Viele Grüße,
    Tina

    1. Writer’s Cafe hatte ich mal vor Uhrzeiten ausprobiert. Konnte diesem bunten Sammelsurium an Funktionen, die sich mir in ihrer Funktion und Anwendung nicht unbedingt gleich erschlossen, aber nichts abgewinnen. Deswegen wanderte das Ding ganz schnell wieder von meinem Rechner und aus meinem Gedächtnis. Ist aber auf jeden Fall auch Plattform unabhängig.

  2. Als kleines Update wollte ich nochmal auf zwei Fullscreen-Editoren hinweisen, auf die ich erst jetzt gestoßen bin.

    Zum einen Writemonkey, eine reine Windows-Anwendung, die auf der .NET-Umgebung basiert. Möglicherweise lässt sich diese Anwendung auch mittels WINE und .NET auf Linux starten – ich habe es selber nicht probiert. Möglicherweise funktioniert es auch über Mono, auch das habe ich nicht getestet.

    Eine zweite Alternative, die wiederum Plattform unabhängig ist, ist JDarkRoom, ein Texteditor, der auf Java basiert. Der läuft sehr stabil auf Linux, allerdings fehlen mir ein paar Gimmicks, die Q10 hat, wie z.B. die Eingabe von Notizen oder Kommentaren, usw.

    Außerdem ist mir aufgefallen, dass laut dem Support-Forum von Q10 wohl schon lange kein Support vom Entwickler geleistet wird. Schade eigentlich.

  3. Weil die Frage hier in der Suchstatistik aufgetreten ist: Die Schriftgrößte in JDarkRoom stellt man mithlife von F6 -> Font ein. Dort kann man auch die Schriftart ändern.

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