Veröffentlicht in Hilfsmittel und Werkzeuge

Software-Kritik: Writer’s Lounge

HINWEIS VOM 15.04.2011: Leider musste ich heute feststellen, dass die Software nicht mehr von der Seite des Betreibers heruntergeladen werden kann. Ich habe zwar mal angefragt, warum das so ist, habe aber noch keine Antwort erhalten. Falls jemand noch Interesse an Writer’s Lounge hat, dann kann er über Google verschiedene Downloadquellen ausmachen (ZDNET, Heise, usw.).


An dieser Stelle möchte ich mal die Gelegenheit ergreifen, Writer’s Lounge vorzustellen. In den meisten Listen mit Software für Autoren taucht diese Software nicht auf. Darauf aufmerksam geworden bin ich im internen Forum der Schule des Schreibens. Der Autor der Software ist Andreas Altwein, seines Zeichens Softwareprogrammierer und Autor.

Ich habe die Software bereits vor einiger Zeit ausprobiert, kurz nachdem ich mit dem Lehrgang bei SdS angefangen habe. Zunächst schien ich dafür keine Verwendung zu haben. Während des diesjährigen NaNoWriMo ist mir dann aber klar geworden, dass ich im Grunde genau so eine kleine Software benötigen könnte, um meine Romanideen vorneweg zu planen. Also habe ich die Software nochmal reaktiviert und mir genauer angesehen.

Zunächst einmal taugt das Programm rein zur Planung des Verlaufs einer Geschichte. Es gibt die Möglichkeit, Personen anzulegen, deren Lebenslauf, Verhalten, Aussehen zu notieren. Dasselbe kann man auch mit Orten tun, an denen die Geschichte stattfindet. Schließlich fängt man an, den Plot zu erstellen, den man Szene um Szene aufbaut, mit Personen und Orten und Handlungen füllt. Als kleine Dreingabe kann man Notizen mit Erinnerungsfunktion eingeben. Das ganze läuft projektbezogen ab, d.h. man muss für jede Geschichte ein neues Projekt starten, in dem dann die erstellten Charaktere und Orte verfügbar sind; außerhalb des Projektes stehen sie nicht zur Verfügung.

Hier ein Screenshot des Startbildschirms:

Writer's Lounge Startbildschirm

Vorteile
Ich persönlich finde das Programm einfach zu handhaben, der Aufbau des Programms wird gleich beim ersten Öffnen sichtbar: Man erstellt ein Projekt, und kann dann getrennte Datensätze anlegen für die in der Geschichte vorkommenden Personen und Orte. Wie genau der Plot strukturiert wird, d.h. also in Kapitel und Szenen, wird in der Hilfedatei ganz gut beschrieben. Man kann diesen Teil auch ganz flexibel einsetzen. Wer nicht Kapitel um Kapitel aufbauen möchte, kann auch die drei Strukturen „Anfang“, „Mittelteil“ und „Schluss“ erstellen (siehe Screenshot unten), und dann die einzelnen Szenen darunter einsetzen, z.B. bei der Planung einer Kurzgeschichte.

Writer's Lounge Plot

Man kann Szenen auch nach unten oder oben verschieben, wenn sie an der Stelle nicht passen.

Anschließend lässt sich das Ergebnis der Planung als HTML- oder PDF-Datei exportieren.

Plot als HTML-Export
Plot als PDF-Export

Auch positiv anzumerken ist, dass das Programm sowohl auf Windows, Linux als auch Mac läuft, da es in Java programmiert wurde. Außerdem verwendet es eine Datenbank, d.h. dass die gesamte Arbeit nicht irgendwo auf dem Rechner rumliegt, sondern zentral in einer Datenbank. Man muss sich also auch nach Monaten keine Gedanken machen, wo man jetzt eigentlich die Idee für eine bestimmte Geschichte hingespeichert hat. Nur die Exportdateien (HTML oder PDF) können frei weggespeichert werden.

Nachteile
Als größten Nachteil sehe ich persönlich die Beschränkung auf zwei Exportformate, nämlich HTML und PDF. Beide sind im Grunde schlecht dafür geschaffen, damit weiterzuarbeiten. Man kann natürlich einwenden, dass man die Planung ja nicht vornimmt, um sie dann komplett wieder über den Haufen zu werfen. D.h., es sollte normalerweise nicht so sein, dass man den Plot während der Schreibphase ändert, oder man tut es eben im Programm selber, exportiert die Änderungen erneut und arbeitet damit weiter. Writer’s Lounge ist definitiv nicht dafür geschaffen, nach der Planung direkt im Programm weiterzuschreiben. Was mich aber stört ist, dass man das bereits Geschriebene aus Writer’s Lounge schlecht weiterverwenden kann (und hin und wieder wird man doch während der Planung einzelne Dialoge einbringen, o.ä.).
Man kann zwar schon aus dem HTML- oder PDF-Export herauskopieren, aber das ist nicht besonders komfortabel: Der HTML-Export stellt Umlaute nicht richtig dar, man müsste dann also alle Umlaute korrigieren. Und aus einem PDF-Reader rauskopieren hat immer den Nachteil, dass harte Zeilenumbrüche eingefügt werden, muss die also auch alle korrigieren. Vielleicht würde ich mir daher noch den Export als Textdatei wünschen, dann wären zumindest diese zwei Probleme beseitigt.

Weiterhin finde ich es immer ein bisschen nervig, dass ich z.B. beim Erstellen der Kapitel oder Szenen die gerade angewählte Szene mit Strg und Mausklick wegklicken muss, damit ich eine neue Szene auf derselben Ebene einfügen kann. Wenn ich das nicht tue, wird die nächste Szene als Unterszene eingefügt.

Für mich persönlich fehlt noch die Möglichkeit, den Plot irgendwie visuell anders darzustellen, vielleicht als MindMap, im Zeitstrahl, o.ä. Sowas ist doch immer auch sehr nützlich, um auch andere Aspekte und Probleme der Handlung (z.B. zeitliche oder örtliche Konzentration von Handlungen, Verstrickungen oder Beziehungsmuster, usw.) wahrzunehmen.

Fazit
Writer’s Lounge hat den Vorteil, dass man sehr strukturiert und übersichtlich einen Handlungsverlauf herstellen kann, mit allem was dazu gehört. Allerdings taugt das Programm nur zur reinen Planung. Die Geschichte schreiben muss man in seinem eigenen Textverarbeitungsprogramm. Die Arbeit, die man mit Writer’s Lounge erstellt hat, kann man als HTML- oder PDF-Datei exportieren und als Vorlage verwenden (z.B. ausgedruckt oder direkt auf dem Bildschirm). Außerdem läuft das Programm plattformunabhängig, da es mit Java entwickelt wurde.

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3 Kommentare zu „Software-Kritik: Writer’s Lounge

  1. Moin Studienkollege,

    ich bin gerade auf Deinen Artikel über meine Software „Writers Lounge“ gestossen. Die Kritik finde ich ehrlich und aufschlussreich. An einen Export in eine reine Textdatei habe ich bislang gar nicht gedacht, aber das sollte (im Gegensatz zu anderen Formaten) kein Problem sein. Ich werde das mal als Frühjahrsaufgabe in Angriff nehmen.

    Die Sache mit der Visualisierung als Mindmap oder schwebt mir schon länger im Kopf herum, allerdings ist das ein bisschen mehr Arbeit – und nun ja… 😉 Dieses Stück Arbeit habe ich bis heute noch gescheut. Mal sehen, vielleicht bekomme ich das auch noch im Frühjahr hin.

    Viele Grüße
    Andreas

    1. Danke für deine Antwort. Ich finde die Software wirklich erstklassig, bin gespannt, was du eventuell noch an Änderungen einbaust. Leider habe ich mein erstes Projekt auf meinem Linux-Rechner erstellt und erst beim Versuch, die Inhalte in eine Windows-Installation zu importieren gemerkt, dass ich wohl besser von vornherein alles auf einen USB-Stick gepackt hätte, weil der Import nicht klappt. Naja, beim nächsten Projekt dann. 🙂

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