Veröffentlicht in Fernkurs

Der innere Kampf

Puh, ich hatte einige nette Tage mit GR02. Eigentlich habe ich das Heft schon nach 10 Seiten trotzig in die Ecke geschmissen und mich drei Tage lang geärgert. „Pah! Von wegen Notizen, Karteikarten, Gliederung, und so ’n Zeuchs!“ Ich war so richtig sauer. Und warum ich das war, habe ich zunächst gar nicht verstanden.

Bevor ich pseudo-psychologisch werde, erkläre ich erstmal worüber ich mich aufgeregt habe. Es geht im Heft darum, wie man Material sammelt und schließlich gliedert, um daraus eine Geschichte zu machen. Das Vorgehen an sich ist identisch, egal ob man einen Roman, eine Kurzgeschichte oder einen Sachtext verfasst. Die Hinweise darauf, dass Zeitungs- oder Fernsehredaktionen vor allem deswegen so effizient sind, weil Material und Notizen zu verschiedenen Themen natürlich über Monate oder Jahre hinweg gesammelt und archiviert werden, um sie dann bei einem aktuellen Geschehen herauszukramen und entsprechend einzusetzen, haben mich in meinem Standpunkt bestärkt. Und der ist, dass man als „kreativer“ Schreiber dieses ganze Dingsbums gar nicht braucht. Notizen archivieren, nach Themen sortieren, nach Anfang, Mittelteil, Schluss gliedern, usw. Wozu das alles? Bei mir macht das alles der Kopf! Brauch ich nicht. Basta.

Tja, was mich dann tatsächlich gefuchst hat an der Sache ist, dass ich mich ertappt gefühlt habe. Ertappt dabei, erfolglos einfach drauf los zu schreiben. Zwar habe ich durchaus Ideen und manchmal auch fertige Geschichten im Kopf, an Details und Eindrücken mangelt es mir im Kopf nicht, aber dann, wenn es darum geht sie alle niederzuschreiben, verliere ich mich häufig in all diesen Eindrücken und ich merke, dass ich den Weg nicht konsequent entlang gehe, sondern an jedem Busch, jeder Hecke und jedem kleinen Trampelpfad stehen bleibe, dies oder jenes unbedingt noch mit einbauen will und dann zumeist das eigentliche Ziel aus den Augen verliere. Oder ich entscheide mitten im Schreiben, die Geschichte komplett umzuwerfen, mit dem Ergebnis weder Fisch noch Fleisch vor mir liegen zu haben.

Ich habe also schon irgendwie erkannt, dass ich so nicht weitermachen kann, wie ich es bisher getan habe. Andererseits, und da rührt wohl der Trotz und meine Reaktion her, lasse ich mir ungern etwas aufzwingen. Und im ersten Moment empfand ich das als Zwang. Da wird Patricia Highsmith zitiert oder auf andere bekannte Schriftsteller verwiesen, die alle irgendwie diese Methode angewendet haben. Ja, es scheint so, dass alle erfolgreichen Schriftsteller genau das und nichts anderes machen. Notizen sammeln, archivieren und gliedern, gliedern, gliedern, bis ihnen die Finger abfallen!
Ich gebe zu, ich bin ein Mensch, der erstmal mit den Zähnen knirscht, wenn andere ihm sagen, was er besser machen könnte (nicht zwingend muss). Ich würde eben gerne von mir behaupten wollen, es doch schon richtig zu können und ungern einsehen müssen, dass ich es eben doch nicht kann.

Nachdem ich aber ein paar Tage darüber gebrütet habe kann ich es mir zugestehen, einiges auszuprobieren und anderes eben nicht (z.B. die Karteikarten oder Ordner, um z.B. Zeitungsausschnitte zu archivieren – halte ich für zu kompliziert, dafür habe ich keine Geduld und würde das nicht lange durchhalten). Ich halte das Prinzip für nicht ganz abwegig und kann schon akzeptieren, dass es auch mir weiterhelfen kann (nicht zwingend muss).

Und ich habe dann auch schon eine gute Idee entwickelt, wie ich mein eigenes Archiv aufbauen kann, ohne auf irgendwelche Zettelwirtschaften angewiesen zu sein. Ich verwende einfache eine Wiki-Software und mach das alles hier auf dem Rechner. Großartige Zeitungsleserin bin ich ohnehin nicht, aber wenn mir doch mal was in die Finger fällt, lässt sich das zur Not auch eintäckern. 🙂

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