Veröffentlicht in Bücher, Meinung

Ein Krimi aus viktorianischer Zeit

So, Wer sich in Gefahr begibt von Ann Granger habe ich durchgelesen.

Insgesamt war mein Eindruck gemischt. Anfangs schien das Buch so ein bisschen in die Richtung von Agatha Christie zu gehen, und eigentlich gefiel mir das ganz gut. Als Jugendliche war ich ein echter Fan der Christie-Romane, habe sie geradezu verschlungen… aber, naja, irgendwann ist es einfach auch zuviel. Und ich hatte sicherlich zuviel von Hercule Poirot und Co. Trotzdem war ich beim Anblick eines Krimis aus viktorianischer Zeit geradezu entzückt, weil mich das irgendwie an die spannenden Stunden zurückerinnerte.

Insgesamt stellte ich beim Lesen aber fest, dass mich dieses bürgerlich-spießige Getue mächtig nervt. Frauen dürfen dies nicht, Frauen dürfen das nicht, und all die damit verbundenen gesellschaftlichen Tabus, unausgesprochenen Regeln und Gesetze empfand ich als Leserin nicht nur abgedroschen sondern einfach nur langweilig. Ja, ich weiß, man kann die Geschichte nicht zurechtrücken, und eine ledige Frau, die damals schwanger wurde, hatte gesellschaftlich nicht viele Chancen – zumindest ist es das, was wir glauben.

Aber mal ehrlich, nicht alle unverheirateten Frauen, die damals schwanger wurden, haben sich von ’ner Brücke gestürzt. Nicht alle sind Bettler geworden oder mussten auf die Gütigkeit und Almosen anderer hoffen. Irgendwie ärgern mich diese Stereotypen schon sehr. Und so war es auch beim Lesen dieses Romans. Immer wieder das typische Schubladendenken, z.B. von Mördern, die ganz bestimmt „Monster“ sind, oder jenen, die „zu Mördern gemacht werden“, vom armen aber dummen und naiven Opfer, das sich sowieso nur mit „Schundromen“ (Liebesromanen) die Zeit vertrieb. Ach, ich kann es gar nicht mehr hören. Vielleicht hatte ich doch einfach zu viel von dieser Sorte Roman.

Im Grunde fehlte mir eine durchtriebene, skrupellose und ausgefuchste Hauptfigur, die ganz entgegen den gesellschaftlichen Normen und Erwartungen handelt und psychologisch brilliant agiert. Tja, vielleicht sollte ich so einen Roman selber schreiben.

Was den zweiten Roman aus der Reihe Lizzie Martin und Benjamin Ross angeht, so sehe ich gerade, dass Neugier ist ein schneller Tod 16,95€ kostet (allerdings die gebundene Ausgabe; das Buch, das ich habe, ist nur broschiert und war dementsprechend billiger). Ob ich mir den zweiten Band antue? Im Moment denke ich eher nicht. Es ist schon sehr auffällig, wenn man ein Buch freiwillig aus der Hand legt und fast zwei Tage nicht beachtet, wenn die Hauptfigur gerade im Begriff ist, der Polizei einen wichtigen Zeugen vorzustellen.

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2 Kommentare zu „Ein Krimi aus viktorianischer Zeit

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